Unkrautstecher richtig benutzen: Warum der Zeitpunkt entscheidet
Heben statt ziehen, und niemals auf trockenem Boden
Der Unkrautstecher ist das Werkzeug für Pfahlwurzler, und er ist zuverlässig, wenn drei Dinge stimmen: der Zeitpunkt, der Winkel und die Bewegung. Fehlt eines davon, entfernt er die Pflanze nicht, sondern teilt sie. Diese Seite erklärt die Technik und sagt, bei welchen Arten das Werkzeug grundsätzlich nichts ausrichtet.
- Der Zeitpunkt: nach einem Regenguss, nicht bei Sonnenschein
- Die Technik: senkrecht ansetzen, hebeln, nicht ziehen
- Nach dem Stich: die Lücke gehört geschlossen
- Wo der Stecher nichts ausrichtet
- Häufige Fragen: Unkrautstecher richtig benutzen
Der Zeitpunkt: nach einem Regenguss, nicht bei Sonnenschein
Es gibt einen einzigen Faktor, der über den Erfolg beim Ausstechen mehr entscheidet als Werkzeug und Technik zusammen, und das ist die Bodenfeuchte. In weichem Boden nach einem Regenguss lässt sich eine Pfahlwurzel als Ganzes anheben; sie gibt nach, bevor sie bricht. In trockenem, hartem Boden reißt dieselbe Wurzel praktisch immer, meist bei acht bis zwölf Zentimetern, und der Rest bleibt im Boden.
Das ist keine Frage der Sauberkeit, sondern der Wirkung, denn ein zurückgebliebenes Wurzelstück treibt nicht einfach nach, sondern häufig MEHRTRIEBIG. Aus einer Rosette werden zwei oder drei, die zusammen mehr Blattmasse haben als die ursprüngliche Pflanze. Das ist der Grund, warum Gärten nach Jahren des Jätens mehr Löwenzahn haben können als am Anfang: Es wurde immer bei schönem Wetter gearbeitet.
Praktisch heißt das, die Arbeit dem Wetter unterzuordnen statt dem Kalender. Ein bis zwei Tage nach einem ordentlichen Regen ist ideal, der Boden ist dann durchfeuchtet, aber nicht schmierig. Wo es nicht regnen will, hilft es, die Stelle am Vorabend gezielt zu wässern und am nächsten Morgen zu arbeiten.
Die Technik: senkrecht ansetzen, hebeln, nicht ziehen
Der Stecher gehört dicht neben die Rosette und SENKRECHT in den Boden, nicht schräg. Der schräge Ansatz ist der häufigste Fehler: Er trifft die Wurzel seitlich und kappt sie, statt an ihr entlangzugehen. Senkrecht geführt läuft die Gabel des Stechers neben der Wurzel nach unten und umfasst sie auf ganzer Länge.
Die zweite Hälfte der Technik ist die Bewegung. Der Stecher ist ein Hebel, kein Haken: Er wird nach dem Eintauchen zur Seite gekippt, sodass die Wurzel von unten angehoben wird. Wer stattdessen am Werkzeug oder an den Blättern zieht, erzeugt genau die Zugspannung, bei der die Wurzel reißt. Heben löst, ziehen bricht.
Kontrollieren Sie, was Sie in der Hand halten. Bei Löwenzahn sollte das Wurzelstück mindestens 15 Zentimeter lang sein und unten spitz auslaufen, nicht glatt abgerissen wirken. Bei den Wegericharten sollte unten eine deutliche Verdickung sitzen, der Wurzelkopf. Fehlt sie, ist das Überdauerungsorgan noch im Boden, und die Stelle gehört auf die Liste für den nächsten Durchgang.
Nach dem Stich: die Lücke gehört geschlossen
Ein Unkrautstecher hinterlässt ein Loch von mehreren Zentimetern Tiefe und einen Rand aus aufgeworfener Erde. Das ist eine offene Bodenstelle im ungünstigsten Sinn: locker, unbewachsen und belichtet. Genau darauf warten die Samen im Bodenvorrat, und bei Löwenzahn kommen die Flugsamen der Nachbarschaft dazu.
Der Abschluss jedes Stichs besteht deshalb aus vier Handgriffen: Loch mit Erde füllen, andrücken, ein paar Körner Rasensamen darauf, nochmals andrücken. Bei größeren Flächen lohnt es sich, mit einem Eimer Erde und einem Beutel Saatgut zu arbeiten und beides direkt mitzuführen, statt einen zweiten Durchgang zu planen, der erfahrungsgemäß nicht stattfindet.
Feucht halten ist der letzte Schritt, und er ist bei Einzelstellen leicht zu übersehen. Junge Keimlinge in einem Stichloch trocknen schneller aus als eine nachgesäte Fläche, weil ringsum etablierte Gräser das Wasser ziehen. Zwei Wochen gelegentliches Nachwässern entscheiden darüber, ob die Stelle zuwächst oder wieder offen bleibt.
Wo der Stecher nichts ausrichtet
Der Unkrautstecher ist für senkrechte Wurzeln gebaut, und außerhalb dieser Bauart ist er das falsche Werkzeug. Bei den kriechenden Arten mit oberirdischen Ausläufern, also Weißklee, Ehrenpreis, Gundermann und Vogelmiere, gibt es keine einzelne Wurzel zum Anheben; hier arbeitet man flächig, mit der Hand oder mit dem Vertikutierer, und hebt das Polster in einem Stück ab.
Bei den Rhizom-Arten ist der Stecher sogar schädlich. Quecke, Giersch, Schafgarbe und Brennnessel überdauern in waagerechten unterirdischen Sprossen, und ein senkrecht geführtes Werkzeug zerteilt sie zwangsläufig. Jedes Bruchstück mit einer Knospe treibt neu aus. Hier gehört die Grabegabel in die Hand, mit der das Geflecht flach angehoben und in langen Stücken geborgen wird.
Es lohnt sich deshalb, vor dem Griff zum Werkzeug kurz zu graben. Findet sich eine senkrechte Pfahlwurzel, ist der Stecher richtig. Findet sich ein waagerechtes, weißes oder gelbliches Rhizom, ist er falsch. Diese eine Minute erspart im ungünstigen Fall eine ganze Saison Rückschritt.
Häufige Fragen: Unkrautstecher richtig benutzen
Wann sollte ich Unkraut ausstechen?
Ein bis zwei Tage nach einem ordentlichen Regen, wenn der Boden durchfeuchtet, aber nicht schmierig ist. In weichem Boden gibt die Pfahlwurzel nach, bevor sie bricht; in trockenem, hartem Boden reißt sie praktisch immer bei acht bis zwölf Zentimetern. Wo es nicht regnet, hilft gezieltes Wässern am Vorabend.
Warum reißt die Wurzel beim Ausstechen ab?
Meist aus zwei Gründen: Der Stecher wurde schräg angesetzt und hat die Wurzel seitlich gekappt, oder es wurde gezogen statt gehebelt. Senkrecht ansetzen, sodass die Gabel neben der Wurzel nach unten läuft, und den Stecher dann zur Seite kippen, damit die Wurzel von unten angehoben wird.
Wie lang muss das Wurzelstück sein?
Bei Löwenzahn mindestens 15 Zentimeter, und es sollte unten spitz auslaufen statt glatt abgerissen zu wirken. Bei den Wegericharten sollte unten eine deutliche Verdickung sitzen, der Wurzelkopf. Fehlt sie, ist das Überdauerungsorgan noch im Boden und treibt neu aus.
Bei welchen Unkräutern hilft ein Unkrautstecher nicht?
Bei den kriechenden Arten mit oberirdischen Ausläufern gibt es keine einzelne Wurzel zum Anheben, dort arbeitet man flächig. Bei Rhizom-Arten wie Quecke, Giersch, Schafgarbe und Brennnessel ist er sogar schädlich, weil er die waagerechten Sprossen zerteilt und jedes Bruchstück neu austreibt.
Was mache ich mit dem Loch nach dem Ausstechen?
Sofort schließen: Erde einfüllen, andrücken, ein paar Körner Rasensamen darauf, nochmals andrücken und zwei Wochen gelegentlich nachwässern. Ein offenes Stichloch ist ein ideales Keimbett, und bei Löwenzahn kommen die Flugsamen der Nachbarschaft ohnehin von selbst.
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Bernd Sattler schreibt bei Rasensaison über die Praxis: mähen, wässern, düngen, vertikutieren, nachsäen. Er beantwortet die Fragen, die im Garten wirklich auftauchen, und nennt lieber eine Menge in Millimetern als einen Ratschlag ohne Maß.