Wiesenrispe: Das Gras, das Lücken von selbst schließt

Wiesenrispe (Poa pratensis) wird von der Deutschen Rasengesellschaft so beschrieben: dicht; strapazierfähig; dunkelgrün; unterirdische Ausläufer. Was das für Ihre Fläche bedeutet — und wofür die Art ausdrücklich nicht taugt — steht auf dieser Seite. Im Handel begegnet sie Ihnen auch als Wiesen-Rispengras.

Steckbrief

Botanischer NamePoa pratensis
Deutscher NameWiesenrispe
Blattfeinheitmittelfein, Blattspitze kahnförmig
Wuchsformunterirdische Ausläufer (Rhizome)
BelastbarkeitHoch
TrockenheitstoleranzMittel
SchattentoleranzGering
Empfohlene Schnitthöhe3 bis 5 cm
Typischer Anteil in RSM30 % in RSM 2.3 Spielrasen, bis 50 % in Sportrasenmischungen

Einstufung nach der Kurzcharakteristik der Deutschen Rasengesellschaft; Mischungsanteile nach den Regel-Saatgut-Mischungen Rasen der FLL.

Woran Sie Wiesenrispe erkennen

Das sicherste Erkennungsmerkmal der Wiesenrispe steckt in der Blattspitze: Sie läuft nicht spitz aus, sondern ist kahnförmig zusammengezogen, wie der Bug eines Bootes. Wer ein Blatt zwischen den Fingern hält und gegen das Licht dreht, sieht außerdem zwei helle Linien beiderseits der Mittelrippe — die sogenannten Doppelrillen oder Skispuren. Beides zusammen unterscheidet sie zuverlässig vom Deutschen Weidelgras, dessen Blattunterseite glänzt und dessen Spitze spitz zuläuft.

Die Farbe ist das zweite Merkmal: Wiesenrispe ist deutlich dunkler als Weidelgras, ein sattes Blaugrün, das in einer Mischung als etwas dunklerer Farbton auffällt, sobald die Fläche etabliert ist. Im Bestand wirkt sie dicht und geschlossen. Der eigentliche Unterschied liegt aber unter der Erde und ist an der Oberfläche nur indirekt sichtbar: Wo eine Lücke im Rasen ohne Nachsaat zuwächst, war fast immer Wiesenrispe beteiligt.

Wofür Wiesenrispe geeignet ist

Die Wiesenrispe ist das einzige verbreitete Rasengras mit echten unterirdischen Ausläufern. Diese Rhizome wachsen waagerecht im Boden und treiben in einigem Abstand einen neuen Halm — die Pflanze breitet sich also seitlich aus, statt nur an Ort und Stelle dicker zu werden. Praktisch bedeutet das: Kahle Stellen schließen sich von selbst, wenn sie nicht zu groß sind. Genau deshalb steckt Wiesenrispe in jeder Mischung, die Belastung aushalten soll.

Für Flächen, auf denen tatsächlich gespielt und gelaufen wird, ist sie deshalb unverzichtbar. Ein Rasen aus reinem Weidelgras ist im ersten Jahr strapazierfähiger, aber jede Narbe, die einmal aufreißt, bleibt offen, bis jemand nachsät. Ein Rasen mit 30 Prozent Wiesenrispe repariert dieselbe Stelle über Wochen selbst. Auf Sportplätzen, Spielrasen und jedem Hausrasen mit Kindern oder Hund ist dieser Unterschied der Grund, warum die Fläche nach drei Jahren noch geschlossen ist.

Dazu kommt die Regenerationsfähigkeit nach Trockenheit. Die Wiesenrispe kann oberirdisch vollständig vergilben und aus den Rhizomen wieder austreiben, sobald Wasser kommt. Ein Rasen, der im August strohig aussieht, ist mit Wiesenrispe im Bestand oft nicht tot, sondern in Sommerruhe.

Wofür Wiesenrispe nicht geeignet ist

Wofür die Wiesenrispe nicht taugt, ist ebenso eindeutig — und wird beim Kauf regelmäßig übersehen. Sie keimt langsam: 14 bis 28 Tage, gegenüber 7 bis 10 Tagen beim Deutschen Weidelgras. Wer eine Fläche im Alleingang mit Wiesenrispe ansät, sieht drei Wochen lang nackte Erde, auf der sich Unkraut ansiedelt. Deshalb wird sie praktisch nie in Reinsaat verwendet, sondern immer mit Weidelgras kombiniert, das die Fläche schnell deckt, während die Rispe darunter ihr Rhizomnetz aufbaut.

Für Schatten ist sie die falsche Wahl. Ihre Schattenverträglichkeit ist gering; unter Bäumen oder an einer Nordwand vergeilt sie und wird von Moos verdrängt. Dort gehört Lägerrispe oder Hainrispe hin. Auch auf sehr sauren, verdichteten oder staunassen Böden setzt sie sich nicht durch — sie will einen durchlässigen, nährstoffversorgten Boden. Und sie ist kein Zierrasen: Für den kurz geschnittenen, feinhalmigen englischen Rasen ist ihr Blatt zu breit und ihre Tiefschnittverträglichkeit zu gering. Unter 3 Zentimetern verliert sie an Dichte.

In welchen Mischungen Wiesenrispe vorkommt

In den Regel-Saatgut-Mischungen der FLL gehört die Wiesenrispe zu den drei tragenden Arten des Hausrasens. Die RSM 2.3 (Gebrauchsrasen-Spielrasen) enthält sie mit rund 30 Prozent, neben Rotschwingel und Deutschem Weidelgras. Die Empfehlung der Deutschen Rasengesellschaft für einen strapazierfähigen Hausrasen nennt dieselbe Dreierkombination in etwa 40 Prozent Rotschwingel, 30 Prozent Weidelgras und 30 Prozent Wiesenrispe.

In Sportrasenmischungen steigt ihr Anteil deutlich, teils auf 50 Prozent und mehr, weil dort die Selbstregeneration den Ausschlag gibt. In der Trockenlagen-Mischung RSM 2.2.1 ist sie mit 30 bis 40 Prozent neben den Festuca-Arten vertreten. In der zweiten Trockenvariante RSM 2.2.2, die auf mindestens 70 Prozent Rohrschwingel setzt, spielt sie dagegen keine tragende Rolle mehr.

Welche Arten sonst in deutschen Rasenmischungen stecken, zeigt die Übersicht der Gräserarten. Wie viel Saatgut Ihre Fläche braucht, rechnet der Saatgut-Rechner aus.

Standort und Boden

Die Wiesenrispe will einen durchlässigen, aber nährstoffreichen Boden mit ausreichender Wasserversorgung und volle Sonne. Auf bindigen, gut versorgten Böden entwickelt sie sich kräftig — allerdings gilt dort dieselbe Regel wie für die ganze Mischung: Auf bindigen, nährstoffreichen Böden setzt sich in der Konkurrenz meist das Deutsche Weidelgras durch, auf sandig-mageren Böden dagegen die Festuca-Arten. Dieselbe Saatgutmischung ergibt deshalb je nach Boden einen anderen Rasen.

Für die Wiesenrispe heißt das: Sie braucht ihre Chance in den ersten Monaten. Wo Weidelgras durch hohe Stickstoffgaben zusätzlich gefördert wird, kommt sie mit ihrer langsamen Jugendentwicklung nicht mit und bleibt im Bestand unterrepräsentiert — mit dem Ergebnis, dass die Selbstregeneration ausbleibt, für die man die Mischung eigentlich gekauft hat. Eine zurückhaltende Startdüngung und Geduld im ersten Jahr zahlen sich hier direkt aus.

Pflege

Die Schnitthöhe liegt bei 3 bis 5 Zentimetern. Tiefer geschnitten verliert die Wiesenrispe an Dichte und wird von tiefschnittverträglicheren Arten verdrängt; das ist der übliche Grund, warum sie aus einem zu kurz gemähten Rasen verschwindet. Ihr Nährstoffbedarf ist mittel bis hoch — sie ist keine Magerrasenart und quittiert eine ausbleibende Düngung mit dünnerem Wuchs.

Ihre eigentliche Stärke zeigt sich nach Schäden. Nach Trockenheit, nach einer stark bespielten Saison oder nach dem Vertikutieren treibt sie aus den Rhizomen wieder aus und schließt die Fläche über Wochen. Diese Regeneration braucht Zeit und Wasser, aber keine Nachsaat. Wer eine Fläche mit hohem Wiesenrispen-Anteil im Spätsommer strohig vorfindet, sollte deshalb nicht sofort nachsäen, sondern erst wässern und zwei bis drei Wochen abwarten — häufig erledigt der Bestand die Reparatur selbst.

Häufige Fragen zu Wiesenrispe

Woran erkenne ich Wiesenrispe im Rasen?

An der kahnförmigen Blattspitze, die nicht spitz ausläuft, sondern wie ein Bootsbug zusammengezogen ist, und an den zwei hellen Linien beiderseits der Mittelrippe. Dazu ist die Farbe dunkler und blaugrüner als beim Deutschen Weidelgras, dessen Blattunterseite außerdem deutlich glänzt.

Warum keimt Wiesenrispe so langsam?

Sie braucht 14 bis 28 Tage, während Deutsches Weidelgras nach 7 bis 10 Tagen steht. Die Art investiert früh in ihr unterirdisches Rhizomnetz statt in schnelle Blattmasse. Genau deshalb wird sie fast nie in Reinsaat ausgesät, sondern mit Weidelgras kombiniert, das die Fläche deckt, solange die Rispe unterirdisch arbeitet.

Schließt Wiesenrispe kahle Stellen wirklich von selbst?

Ja, im Rahmen. Die unterirdischen Ausläufer wachsen waagerecht und treiben in einigem Abstand neue Halme, sodass sich kleinere Lücken über Wochen schließen. Bei großflächigen Schäden ab etwa einer Handbreit ist Nachsaat trotzdem schneller. Voraussetzung ist ausreichend Wasser und dass die Art überhaupt nennenswert im Bestand vertreten ist.

Eignet sich Wiesenrispe für Schattenlagen?

Nein. Ihre Schattenverträglichkeit ist gering; unter Bäumen oder an einer Nordwand vergeilt sie und wird von Moos verdrängt. Für schattige Lagen ist die Lägerrispe die richtige Art, für trockenen Schatten unter Bäumen die Hainrispe.

Wie viel Wiesenrispe sollte in meiner Mischung stecken?

Für einen belastbaren Hausrasen etwa 30 Prozent, so wie es die RSM 2.3 Spielrasen vorsieht. Auf Sportrasen liegt der Anteil höher, teils bei 50 Prozent, weil dort die Selbstregeneration entscheidet. Unter etwa 20 Prozent wird der Effekt, für den man sie kauft, im Bestand kaum noch spürbar.

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Alle Angaben sind Richtwerte nach den genannten Fachquellen und ersetzen keine gartenbauliche Beratung. Maßgeblich sind die Sorten- und Packungsangaben des jeweiligen Saatguts.

Gärtnermeister & Rasenpflege-Experte

Bernd Sattler schreibt bei Rasensaison über die Praxis: mähen, wässern, düngen, vertikutieren, nachsäen. Er beantwortet die Fragen, die im Garten wirklich auftauchen, und nennt lieber eine Menge in Millimetern als einen Ratschlag ohne Maß.

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