Gräserarten im Rasen: Welche Art was wirklich kann

Ein Rasentyp wie Sportrasen oder Schattenrasen ist keine Pflanze, sondern eine Mischung aus Arten. Welche Art darin steckt, entscheidet über alles, was Sie später an der Fläche bemerken: ob sie Lücken selbst schließt, ob sie den August übersteht, ob sie im Schatten dicht bleibt. Diese Übersicht stellt die Arten nebeneinander, die in deutschen Rasenmischungen tatsächlich vorkommen — mit ihren Anteilen in den Regel-Saatgut-Mischungen und mit dem, wofür sie jeweils nicht taugen.

Die Gräserarten im Vergleich

Die Tabelle listet alle Arten, die in den Regel-Saatgut-Mischungen der FLL und in der Kurzcharakteristik der Deutschen Rasengesellschaft geführt werden. Die Spalte Ausläufer ist die wichtigste: Nur Arten mit Ausläufern schließen kahle Stellen von selbst, Horstgräser müssen nachgesät werden. Jede Zeile führt zum ausführlichen Profil der Art, mit Steckbrief, Mischungsanteilen und dem, wofür sie ausdrücklich nicht taugt.

ArtBlattAusläuferBelastbarkeitTrockenheitSchattenTypischer RSM-Einsatz
Deutsches Weidelgras
Lolium perenne
mittel bis grobHorstSehr hochGeringGeringBasis fast aller Gebrauchs- und Sportrasen, 20–40 %
Wiesenrispe
Poa pratensis
mittelfeinunterirdisch (Rhizome)HochMittelGeringRSM 2.3 Spielrasen 30 %, Sportrasen bis 50 %
Rotschwingel
Festuca rubra
sehr feinje nach Unterart Horst oder kurze AusläuferMittelHochMittelRSM 2.3 rund 35 %, Zierrasen bis 80 %
Rohrschwingel
Festuca arundinacea
grobHorstHochSehr hochMittelRSM 2.2.2 Trockenlagen, mindestens 70 %
Schafschwingel
Festuca ovina
sehr fein, borstiglockerer HorstGeringSehr hochMittelLandschafts- und Magerrasen, RSM 7er-Gruppe
Lägerrispe
Poa supina
fein, hellgrünoberirdisch (Stolonen)HochGeringSehr hochSchattenrasen, mindestens 5 %
Rotes Straußgras
Agrostis capillaris
sehr feinkurze ober- und unterirdischeMittelMittelMittelZierrasen RSM 1.1, Golfgrüns
Flechtstraußgras
Agrostis stolonifera
sehr feinoberirdisch, stark kriechendMittelGeringMittelGolfgrüns, Tiefschnittflächen
Hainrispe
Poa nemoralis
fein, weich überhängendHorst mit kurzen RhizomenGeringMittelHochSchattenmischungen, Landschaftsrasen
Gemeine Rispe
Poa annua
fein, hellgrünHorst, teils niederliegendMittelGeringMittelin Mischungen genannt; zugleich verbreitetes Problemgras
Wiesenschwingel
Festuca pratensis
mittelHorstMittelMittelGeringLandschaftsrasen und Nachsaatmischungen
Welsches Weidelgras
Lolium multiflorum
grobHorstMittelGeringGeringZwischenbegrünung, nicht ausdauernd
Einjähriges Weidelgras
Lolium multiflorum var. westerwoldicum
grobHorstGeringGeringGeringDeckfrucht für eine Saison, nicht ausdauernd

Einstufungen nach der Kurzcharakteristik der Deutschen Rasengesellschaft (DRG); Mischungsanteile nach den Regel-Saatgut-Mischungen Rasen der FLL.

Art oder Sorte: was der Unterschied bedeutet

Auf jeder Saatgutpackung stehen zwei Ebenen, und sie werden regelmäßig verwechselt. Die Art ist die botanische Einheit: Deutsches Weidelgras, Lolium perenne. Die Sorte ist eine gezüchtete Auslese innerhalb dieser Art, mit eigenem Namen und eigener amtlicher Prüfung. Was eine Art grundsätzlich kann — Ausläufer bilden oder nicht, fein oder grob wachsen, Tiefschnitt vertragen oder nicht —, ist durch die Art festgelegt und durch keine Sortenwahl zu ändern.

Innerhalb dieser Grenzen macht die Sorte allerdings einen erheblichen Unterschied. Das Bundessortenamt prüft Rasensorten und bewertet sie in einer Skala von 1 bis 9, unter anderem auf Narbendichte und Krankheitsresistenz. Zwischen einer gut bewerteten Rasensorte und einer Futtergras-Sorte derselben Art liegen Welten — der Rohrschwingel ist dafür das deutlichste Beispiel: Moderne Rasentypen sind erheblich feiner als die alten Futtersorten, aus denen der Ruf stammt, die Art sei zu grob für den Garten. Wer eine Packung ohne Sortenangabe kauft, kauft die Art und hofft auf die Sorte.

Warum Rasen aus Mischungen besteht

Es gibt keine Reinsaat im Hausgarten, und das hat einen einfachen Grund: Keine Art kann alles. Deutsches Weidelgras keimt in sieben bis zehn Tagen und ist sofort belastbar, verträgt aber weder Trockenheit noch Schatten. Die Wiesenrispe schließt Lücken über unterirdische Ausläufer selbst, braucht dafür aber bis zu vier Wochen bis zur Keimung — allein ausgesät stünde man einen Monat vor nackter Erde. Rotschwingel ist fein und anspruchslos, wächst aber langsam und repariert sich kaum.

Eine Mischung setzt diese Eigenschaften zusammen: Das Weidelgras deckt die Fläche, während die Wiesenrispe darunter ihr Rhizomnetz aufbaut und der Rotschwingel die mageren Stellen übernimmt. Die Empfehlung der Deutschen Rasengesellschaft für einen strapazierfähigen Hausrasen besteht deshalb aus genau diesen drei Arten: rund 40 Prozent Festuca rubra, 30 Prozent Lolium perenne und 30 Prozent Poa pratensis. Die RSM 2.3 (Spielrasen) baut auf derselben Dreierbasis auf.

Der Boden entscheidet, welche Art übrig bleibt

Der wichtigste Satz über Rasenmischungen steht auf keiner Packung: Dieselbe Mischung ergibt je nach Boden einen anderen Rasen. Ausgesät wird ein Artengemisch, aber nach zwei bis drei Jahren hat der Standort entschieden, welche Art übrig bleibt. Auf sandig-mageren Böden setzen sich die Festuca-Arten durch — der Rasen wird feiner, trockenheitsverträglicher und anspruchsloser. Auf bindigen, nährstoffreichen Böden dominiert das Deutsche Weidelgras, und die Fläche wird besonders strapazierfähig, aber gröber.

Für die Praxis folgt daraus zweierlei. Erstens: Wer seinen Boden kennt, kann vorhersagen, wie der Rasen in drei Jahren aussieht — und muss sich nicht wundern, wenn der teure feine Rasen auf schwerem Gartenboden grob geworden ist. Zweitens: Wer die Entwicklung beeinflussen will, tut das über Düngung und Wasser, nicht über die Packung. Eine hohe Stickstoffgabe fördert das Weidelgras und arbeitet gegen Rotschwingel und Wiesenrispe. Wer einen feinen Rasen erhalten will, düngt zurückhaltend.

Häufige Fragen zu Gräserarten

Was ist der Unterschied zwischen einer Grasart und einer Sorte?

Die Art ist die botanische Einheit — Deutsches Weidelgras (Lolium perenne) etwa. Die Sorte ist eine gezüchtete Auslese innerhalb dieser Art, mit eigenem Namen und eigener Prüfung. Das Bundessortenamt bewertet Rasensorten in einer Skala von 1 bis 9 unter anderem auf Narbendichte und Krankheitsresistenz. Zwei Sorten derselben Art können sich daher spürbar unterscheiden, während die grundsätzlichen Eigenschaften — Ausläufer oder Horst, fein oder grob — von der Art vorgegeben sind.

Warum werden Rasen aus Mischungen und nicht aus einer Art angelegt?

Weil keine Art alles kann. Weidelgras keimt schnell und ist belastbar, verträgt aber kaum Trockenheit und Schatten. Rotschwingel ist fein und anspruchslos, wächst aber langsam und repariert sich schlecht. Wiesenrispe schließt Lücken selbst, braucht dafür aber vier Wochen bis zur Keimung. Eine Mischung setzt diese Eigenschaften zusammen und überlässt dem Standort die Auswahl: Auf dem einen Boden setzt sich die eine Art durch, auf dem anderen die andere.

Warum sieht dieselbe Mischung auf zwei Grundstücken unterschiedlich aus?

Weil der Boden entscheidet, welche Art sich durchsetzt. Auf sandig-mageren Böden dominieren mit der Zeit die Festuca-Arten, also Rotschwingel und Rohrschwingel. Auf bindigen, nährstoffreichen Böden setzt sich das Deutsche Weidelgras durch — der Rasen wird dann besonders strapazierfähig, aber gröber. Dieselbe Packung ergibt so zwei verschiedene Rasen, und das ist kein Fehler der Mischung, sondern ihr Konstruktionsprinzip.

Was bedeuten die RSM-Nummern auf der Packung?

RSM steht für Regel-Saatgut-Mischungen Rasen, herausgegeben von der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL). Die Nummer benennt den Verwendungszweck: RSM 1.1 Zierrasen, RSM 2.1 Gebrauchsrasen, RSM 2.2 Gebrauchsrasen in Trockenlagen, RSM 2.3 Spielrasen, RSM 3.1 Sportrasen Neuanlage. Die Mischungen legen fest, welche Arten in welchem Anteil enthalten sein müssen — deshalb ist die RSM-Nummer aussagekräftiger als jeder Produktname.

Welche Grasart ist die trockenheitsverträglichste?

Unter den belastbaren Rasengräsern der Rohrschwingel (Festuca arundinacea), weil er tiefer wurzelt als jede andere verbreitete Art und Bodenwasser erschließt, an das andere Gräser nicht herankommen. Noch trockenheitsverträglicher, aber kaum belastbar, ist der Schafschwingel (Festuca ovina), der auf Magerstandorten eingesetzt wird.

Welche Grasart verträgt am meisten Schatten?

Die Lägerrispe (Poa supina) mit deutlichem Abstand. Sie stammt von Almen und Viehlägern und ist zugleich schattenverträglich und trittfest. In Schattenrasen-Mischungen sind mindestens 5 Prozent vorgesehen, zu Lasten des Ausläufer-Rotschwingels. Für trockene Schattenlagen unter Bäumen kommt zusätzlich die Hainrispe (Poa nemoralis) in Frage.

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Alle Angaben sind Richtwerte nach den genannten Fachquellen und ersetzen keine gartenbauliche Beratung. Maßgeblich sind die Sorten- und Packungsangaben des jeweiligen Saatguts.

Gärtnermeister & Rasenpflege-Experte

Bernd Sattler schreibt bei Rasensaison über die Praxis: mähen, wässern, düngen, vertikutieren, nachsäen. Er beantwortet die Fragen, die im Garten wirklich auftauchen, und nennt lieber eine Menge in Millimetern als einen Ratschlag ohne Maß.

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