Rotes Straußgras: Feinste Halme für Zierrasen und Golfgrüns
Rotes Straußgras (Agrostis capillaris) wird von der Deutschen Rasengesellschaft so beschrieben: feinblättrig; für Zierrasen und Golfgrüns. Was das für Ihre Fläche bedeutet — und wofür die Art ausdrücklich nicht taugt — steht auf dieser Seite. Im Handel begegnet sie Ihnen auch als Rotes Straußgras, Agrostis tenuis.
Steckbrief
| Botanischer Name | Agrostis capillaris |
|---|---|
| Deutscher Name | Rotes Straußgras |
| Blattfeinheit | sehr fein, flach ausgebreitet |
| Wuchsform | kurze ober- und unterirdische Ausläufer |
| Belastbarkeit | Mittel |
| Trockenheitstoleranz | Mittel |
| Schattentoleranz | Mittel |
| Empfohlene Schnitthöhe | 5 bis 20 mm |
| Typischer Anteil in RSM | Zierrasenmischungen RSM 1.1, Golf- und Feinstrasen |
Woran Sie Rotes Straußgras erkennen
Das Rote Straußgras hat, anders als die feinblättrigen Schwingel, ein flaches und nicht eingerolltes Blatt — schmal, weich und deutlich als Blattfläche erkennbar, wenn man es zwischen den Fingern hält. Diese Unterscheidung ist im Zweifelsfall die verlässlichste: Rotschwingel und Schafschwingel wirken borstig und rund, das Straußgras flach und bandförmig. Die Blatthäutchen sind kurz, und der Bestand wirkt insgesamt weich.
Den Namen trägt es nach dem Blütenstand: eine sehr fein verzweigte, luftige Rispe, die sich bei Reife rötlich bis bräunlich färbt und aus der Ferne wie ein zarter Schleier über der Fläche steht. Auf einem regelmäßig gemähten Zierrasen sieht man das nie — dort erkennt man das Straußgras an der außergewöhnlich dichten, samtigen Narbe, die es bei sehr tiefem Schnitt bildet und die kein anderes Gras in dieser Form liefert.
Wofür Rotes Straußgras geeignet ist
Das Rote Straußgras ist die Art, mit der die feinsten Rasenflächen gebaut werden. Es verträgt Schnitthöhen, bei denen jede andere Art dieses Vergleichs aufgibt: fünf bis zwanzig Millimeter, also ein Bruchteil dessen, was ein Hausrasen bekommt. Darunter bildet es eine gleichmäßige, samtige Narbe von einer Dichte, die den englischen Zierrasen und das Golfgrün überhaupt erst möglich macht.
Dazu kommen kurze ober- und unterirdische Ausläufer. Das unterscheidet es vom Horst-Rotschwingel: Es schließt kleinere Lücken selbst und regeneriert nach Beschädigung besser als eine reine Horstart — ein wichtiger Punkt auf Flächen, die tief geschnitten und dadurch permanent an der Belastungsgrenze gehalten werden.
Sein Platz ist damit überall dort, wo Optik und Feinheit den Ausschlag geben und die Pflege gesichert ist: Zierrasen, Repräsentationsflächen, Golf-Fairways und -Grüns, Bowling- und Tennisrasen. Auf solchen Flächen ist es nicht eine mögliche Art unter mehreren, sondern die naheliegende Wahl.
Wofür Rotes Straußgras nicht geeignet ist
Für den normalen Hausrasen ist das Rote Straußgras die falsche Entscheidung, und der Grund ist nicht die Pflanze, sondern der Aufwand. Seine Vorzüge entstehen erst bei sehr tiefem Schnitt, und der bedeutet Mähen zwei- bis dreimal pro Woche mit einem Spindelmäher, dazu regelmäßige Düngung in kleinen Gaben, Bewässerung und Pflegemaßnahmen wie Vertikutieren und Besanden. Wer einmal wöchentlich mit dem Sichelmäher auf vier Zentimeter mäht, bekommt keinen Zierrasen, sondern einen unbefriedigenden Kompromiss.
Es ist außerdem nur mittelmäßig belastbar. Fußball, Kinderspiel und Hunde vertragen sich mit einer auf wenige Millimeter geschnittenen Feinrasennarbe nicht — die Fläche reißt auf und erholt sich langsam. Für bespielte Flächen sind Weidelgras und Wiesenrispe zuständig.
Und es ist anfällig, wo es zu dicht und zu feucht steht: Bei hoher Luftfeuchte und dichter Narbe treten Pilzkrankheiten auf, die auf einem locker gewachsenen Gebrauchsrasen keine Rolle spielen. Auch das gehört zum Pflegeanspruch — eine Zierrasenfläche wird beobachtet, nicht nur gemäht.
In welchen Mischungen Rotes Straußgras vorkommt
Sein Feld sind die Zierrasenmischungen der Gruppe RSM 1.1, wo es gemeinsam mit Rotschwingel den Bestand bildet — der Rotschwingel liefert die Masse, das Straußgras die Feinheit und die Tiefschnittfähigkeit. In der Empfehlung für den strapazierfähigen Hausrasen aus Rotschwingel, Weidelgras und Wiesenrispe kommt es dagegen nicht vor; dort wäre es fehl am Platz.
Auf Golfanlagen wird es sowohl in Mischungen als auch nahezu in Reinsaat verwendet, je nach Spielfläche. Für den Gartenbesitzer ist die praktische Konsequenz einfach: Steht Agrostis capillaris mit nennenswertem Anteil auf der Packung, ist es eine Zierrasenmischung, und die Fläche verlangt danach eine Zierrasenpflege — unabhängig davon, was auf der Vorderseite steht.
Welche Arten sonst in deutschen Rasenmischungen stecken, zeigt die Übersicht der Gräserarten. Wie viel Saatgut Ihre Fläche braucht, rechnet der Saatgut-Rechner aus.
Standort und Boden
Das Rote Straußgras bevorzugt frische, eher leicht saure Böden mit guter Wasserversorgung und volle Sonne bis leichten Schatten. Es ist weniger genügsam als die Festuca-Arten und weniger trockenheitsverträglich als der Rohrschwingel: Auf einem heißen Südhang ohne Bewässerung ist es nicht die richtige Art.
Der Boden entscheidet auch hier über die Zusammensetzung des Bestands. Auf gut versorgten, bindigen Böden setzt sich bei Standardpflege das Weidelgras durch; das Straußgras hält sich vor allem deshalb in Zierrasenflächen, weil der sehr tiefe Schnitt die gröberen Arten benachteiligt. Die Schnitthöhe ist bei dieser Art damit nicht nur Pflege, sondern das Mittel, mit dem der Bestand überhaupt erhalten wird.
Pflege
Die Pflege ist der Preis für die Optik. Regelmäßiger, sehr tiefer Schnitt mit einem Spindelmäher ist Pflicht — beim Sichelmäher fransen die feinen Halme aus und die Fläche wirkt grau. Gedüngt wird in mehreren kleinen Gaben über die Saison statt in wenigen großen, weil eine sehr kurz gehaltene Narbe kaum Reserven hat.
Dazu kommen Maßnahmen, die auf einem Gebrauchsrasen selten nötig sind: Vertikutieren gegen den Filz, der sich bei dichter Narbe schnell bildet, und Besanden, um die Oberfläche eben und durchlässig zu halten. Der Wasserbedarf ist mittel bis hoch; eine tief geschnittene Fläche hat wenig Blattmasse und trocknet entsprechend schnell aus. Wer diesen Aufwand nicht dauerhaft leisten will, sollte die Art nicht wählen — sie verzeiht Vernachlässigung schlechter als jede andere hier.
Häufige Fragen zu Rotes Straußgras
Was ist der Unterschied zwischen Rotem Straußgras und Flechtstraußgras?
Beide sind Agrostis-Arten und beide sehr feinblättrig; der Unterschied liegt in der Wuchsform, nicht in der Blattfeinheit. Das Rote Straußgras (Agrostis capillaris) bildet kurze ober- und unterirdische Ausläufer, das Flechtstraußgras (Agrostis stolonifera) lange, stark kriechende oberirdische Stolonen und wächst dadurch aggressiver.
Kann ich Rotes Straußgras im normalen Hausrasen verwenden?
Möglich ja, sinnvoll selten. Seine Vorzüge entstehen erst bei Schnitthöhen von fünf bis zwanzig Millimetern, was Mähen zwei- bis dreimal pro Woche mit dem Spindelmäher bedeutet. Bei vier Zentimetern Schnitthöhe zahlen Sie für eine Eigenschaft, die Sie nicht nutzen.
Wie tief muss ich Rotes Straußgras schneiden?
Fünf bis zwanzig Millimeter, je nach Nutzung der Fläche. Der tiefe Schnitt ist bei dieser Art nicht nur Optik, sondern das Mittel, mit dem der Bestand erhalten wird: Er benachteiligt die gröberen Arten, die sonst die Fläche übernehmen würden.
Braucht Rotes Straußgras viel Pflege?
Ja, es hat den höchsten Pflegeanspruch in diesem Vergleich. Tiefer Schnitt mit dem Spindelmäher, mehrere kleine Düngergaben statt weniger großer, regelmäßiges Vertikutieren gegen Filz und Besanden für eine ebene Oberfläche. Vernachlässigung verzeiht es schlechter als jede andere Art hier.
Ist Rotes Straußgras trockenheitsverträglich?
Nur mittelmäßig. Es bevorzugt frische Böden mit guter Wasserversorgung, und eine tief geschnittene Narbe hat wenig Blattmasse und trocknet schnell aus. Für heiße, trockene Lagen ohne Bewässerung ist der Rohrschwingel die richtige Art.
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Bernd Sattler schreibt bei Rasensaison über die Praxis: mähen, wässern, düngen, vertikutieren, nachsäen. Er beantwortet die Fragen, die im Garten wirklich auftauchen, und nennt lieber eine Menge in Millimetern als einen Ratschlag ohne Maß.