Flechtstraußgras: Kriechtriebe für Grüns, Problemgras im Hausrasen

Flechtstraußgras (Agrostis stolonifera) wird von der Deutschen Rasengesellschaft so beschrieben: feinblättrig; für Zierrasen und Golfgrüns. Was das für Ihre Fläche bedeutet — und wofür die Art ausdrücklich nicht taugt — steht auf dieser Seite. Im Handel begegnet sie Ihnen auch als Weißes Straußgras, Kriechendes Straußgras.

Steckbrief

Botanischer NameAgrostis stolonifera
Deutscher NameFlechtstraußgras
Blattfeinheitsehr fein, flach
Wuchsformlange oberirdische Ausläufer (Stolonen), stark kriechend
BelastbarkeitMittel
TrockenheitstoleranzGering
SchattentoleranzMittel
Empfohlene Schnitthöhe3 bis 10 mm
Typischer Anteil in RSMGolfgrüns und Tiefschnittflächen; in Hausrasenmischungen nicht vorgesehen

Einstufung nach der Kurzcharakteristik der Deutschen Rasengesellschaft; Mischungsanteile nach den Regel-Saatgut-Mischungen Rasen der FLL.

Woran Sie Flechtstraußgras erkennen

Der Unterschied zum Roten Straußgras liegt nicht im Blatt, sondern am Boden — das ist die entscheidende Unterscheidung und der häufigste Bestimmungsfehler. Beide Arten sind sehr feinblättrig und flach. Das Flechtstraußgras bildet aber lange, kräftige oberirdische Ausläufer, sogenannte Stolonen, die sichtbar über die Bodenoberfläche kriechen und an jedem Knoten wurzeln. Wer die Narbe mit der Hand auseinanderschiebt, sieht ein regelrechtes Geflecht — daher der deutsche Name.

Im Hausrasen zeigt sich die Art dadurch als auffällige, sehr dichte und meist etwas hellere Flecken, die sich kreisförmig ausbreiten und deren Grenze zum übrigen Rasen scharf ist. Bei tiefem Schnitt filzen diese Bereiche und fühlen sich beim Darübergehen schwammig an. Diese Flecken sind der Grund, warum die Art in Hausrasenflächen fast immer als Problem und nicht als Zierrasengras wahrgenommen wird.

Wofür Flechtstraußgras geeignet ist

Auf Golfgrüns und Feinstrasenflächen ist das Flechtstraußgras genau wegen dieser Ausläufer eine tragende Art. Bei Schnitthöhen von drei bis zehn Millimetern bildet es die dichteste und gleichmäßigste Spielfläche, die sich mit einem Gras überhaupt herstellen lässt: Die kriechenden Triebe schließen jede Lücke, die Narbe wird zu einer geschlossenen Fläche ohne sichtbare Einzelpflanzen, und der Ball rollt gleichmäßig.

Der zweite Vorteil ist die Regeneration. Weil jeder Ausläuferknoten neu wurzeln kann, schließt die Art Beschädigungen schneller als jede horstbildende Alternative — auf einer Fläche, die täglich betreten und millimeterkurz gehalten wird, ist das der ausschlaggebende Punkt. In der professionellen Grünpflege wird sie deshalb auch zur Regeneration bestehender Flächen eingesetzt.

Für den Gartenbesitzer ist der praktische Nutzen dagegen gering, sofern er nicht tatsächlich eine Fläche auf Golfgrün-Niveau pflegen will. Wo genau das der Anspruch ist, ist die Art richtig — überall sonst nicht.

Wofür Flechtstraußgras nicht geeignet ist

Im Hausrasen ist das Flechtstraußgras unerwünscht, und das ist keine Geschmacksfrage. Bei normaler Schnitthöhe von drei bis fünf Zentimetern kann es seine Stärke nicht ausspielen und wird stattdessen zum Störfaktor: Es breitet sich über die Stolonen aggressiv in der bestehenden Narbe aus, verdrängt die eingesäten Arten und hinterlässt hellere, filzige Flecken mit anderer Textur und anderem Farbton. Das Ergebnis ist ein ungleichmäßiger Rasen, und die Ursache ist schwer zu beheben, weil jeder liegengebliebene Ausläufer neu anwächst.

Es ist außerdem trockenheitsempfindlich. Die Ausläufer laufen oberirdisch und wurzeln flach; bei Hitze ohne Bewässerung fällt die Art als eine der ersten aus. Für Trockenlagen ist sie das Gegenteil der richtigen Wahl.

Und sie ist filzanfällig. Die dichte Verflechtung aus Kriechtrieben bildet schnell eine Rasenfilzschicht, die Wasser und Luft abhält — auf einem professionell gepflegten Grün wird dem mit regelmäßigem Vertikutieren und Besanden begegnet, im Hausgarten unterbleibt das meist, und der Filz wird zum eigenen Problem.

In welchen Mischungen Flechtstraußgras vorkommt

In den Regel-Saatgut-Mischungen für den Hausgarten ist das Flechtstraußgras nicht vorgesehen. Sein Einsatzgebiet sind Golf- und Tiefschnittflächen, wo es je nach Spielfläche in Mischungen oder nahezu in Reinsaat verwendet wird. In Zierrasenmischungen der Gruppe RSM 1.1 ist in aller Regel das Rote Straußgras enthalten, nicht diese Art.

Wenn es dennoch im Hausrasen auftaucht, stammt es meist nicht aus der Ansaat, sondern ist eingewandert oder mit minderwertigem Saatgut eingetragen worden. Ein Blick auf die Artenliste der Packung lohnt deshalb: Steht Agrostis stolonifera darauf, ist die Mischung für Tiefschnitt gedacht und für einen normal gepflegten Garten die falsche Wahl.

Welche Arten sonst in deutschen Rasenmischungen stecken, zeigt die Übersicht der Gräserarten. Wie viel Saatgut Ihre Fläche braucht, rechnet der Saatgut-Rechner aus.

Standort und Boden

Das Flechtstraußgras will es feucht und nährstoffversorgt. Es verträgt sogar zeitweilige Staunässe besser als die meisten Rasengräser und findet sich in der Natur an Gewässerrändern und auf feuchten Wiesen. Volle Sonne bis leichter Schatten sind ihm recht, entscheidend ist die Wasserversorgung.

Daraus folgt für den Garten eine nützliche Beobachtung: Wo die Art sich von selbst in einer Rasenfläche ausbreitet, ist das meist ein Hinweis auf dauerhaft hohe Bodenfeuchte oder Verdichtung. Wer die Flecken dauerhaft loswerden will, sollte deshalb nicht nur die Pflanzen entfernen, sondern die Ursache prüfen — sonst kommt die Art zurück.

Pflege

Auf einer Fläche, für die die Art gedacht ist, gehört zur Pflege der tägliche oder fast tägliche Tiefschnitt mit dem Spindelmäher, regelmäßiges Vertikutieren gegen den Filz und Besanden für eine ebene, durchlässige Oberfläche. Gedüngt wird in kleinen Gaben; gewässert wird regelmäßig, weil das flache Wurzelsystem keine Reserven erschließt.

Im Hausrasen stellt sich stattdessen die Frage der Entfernung. Weil jeder Ausläuferrest neu anwächst, reicht Vertikutieren allein selten; betroffene Flecken müssen meist ausgestochen und neu eingesät werden, und zwar großzügig über den sichtbaren Rand hinaus. Vorher lohnt es, die Bodenfeuchte zu prüfen und gegebenenfalls die Verdichtung zu beseitigen — sonst wiederholt sich das Ganze in der nächsten Saison.

Häufige Fragen zu Flechtstraußgras

Wie unterscheide ich Flechtstraußgras vom Roten Straußgras?

An den Ausläufern, nicht am Blatt. Beide sind sehr feinblättrig. Das Flechtstraußgras bildet lange, kräftige oberirdische Kriechtriebe, die sichtbar auf dem Boden liegen und an jedem Knoten wurzeln; das Rote Straußgras hat nur kurze ober- und unterirdische Ausläufer und breitet sich entsprechend zurückhaltender aus.

Warum habe ich helle, filzige Flecken im Rasen?

Ein häufiger Grund ist eingewandertes Flechtstraußgras. Es breitet sich über Kriechtriebe kreisförmig aus, bildet eine sehr dichte, meist hellere Narbe mit scharfer Grenze zum übrigen Rasen und filzt bei tieferem Schnitt. Prüfen Sie zusätzlich, ob der Boden dort dauerhaft feucht oder verdichtet ist.

Wie werde ich Flechtstraußgras im Rasen wieder los?

Meist nur durch Ausstechen der betroffenen Stellen und Neueinsaat, großzügig über den sichtbaren Rand hinaus, weil jeder liegengebliebene Ausläufer neu anwächst. Vertikutieren allein reicht selten. Prüfen Sie vorher die Ursache: Dauerhafte Bodenfeuchte oder Verdichtung begünstigen die Art, und ohne deren Beseitigung kommt sie zurück.

Ist Flechtstraußgras schädlich für den Rasen?

Schädlich nicht, aber unerwünscht. Es verdrängt die eingesäten Arten und erzeugt ein ungleichmäßiges Bild aus Textur- und Farbunterschieden. Auf einem Golfgrün ist genau dieselbe Eigenschaft ein Vorteil, weil dort die extrem dichte, geschlossene Narbe gewollt ist.

Kann ich Flechtstraußgras gezielt aussäen?

Sinnvoll nur, wenn Sie eine Fläche auf Golfgrün-Niveau pflegen wollen: Schnitthöhe drei bis zehn Millimeter, Spindelmäher, regelmäßiges Vertikutieren und Besanden, verlässliche Bewässerung. Ohne diese Pflege wird aus dem Vorteil binnen einer Saison das beschriebene Fleckenproblem.

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Alle Angaben sind Richtwerte nach den genannten Fachquellen und ersetzen keine gartenbauliche Beratung. Maßgeblich sind die Sorten- und Packungsangaben des jeweiligen Saatguts.

Gärtnermeister & Rasenpflege-Experte

Bernd Sattler schreibt bei Rasensaison über die Praxis: mähen, wässern, düngen, vertikutieren, nachsäen. Er beantwortet die Fragen, die im Garten wirklich auftauchen, und nennt lieber eine Menge in Millimetern als einen Ratschlag ohne Maß.

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