Welsches Weidelgras: Schnelle Begrünung ohne Ausdauer

Welsches Weidelgras (Lolium multiflorum) wird von der Deutschen Rasengesellschaft so beschrieben: schnelle Begrünung, nicht ausdauernd. Was das für Ihre Fläche bedeutet — und wofür die Art ausdrücklich nicht taugt — steht auf dieser Seite. Im Handel begegnet sie Ihnen auch als Italienisches Raygras, Lolium multiflorum Lam..

Steckbrief

Botanischer NameLolium multiflorum
Deutscher NameWelsches Weidelgras
Blattfeinheitgrob, breit, Unterseite stark glänzend
WuchsformHorst, ohne Ausläufer
BelastbarkeitMittel
TrockenheitstoleranzGering
SchattentoleranzGering
Empfohlene Schnitthöhe4 bis 6 cm
Typischer Anteil in RSMZwischenbegrünung und Übersaat; in dauerhaften Rasenmischungen nicht vorgesehen

Einstufung nach der Kurzcharakteristik der Deutschen Rasengesellschaft; Mischungsanteile nach den Regel-Saatgut-Mischungen Rasen der FLL.

Woran Sie Welsches Weidelgras erkennen

Das Welsche Weidelgras ist an seiner auffallend stark glänzenden Blattunterseite zu erkennen — sie wirkt fast lackiert, wenn man das Blatt ins Licht dreht. Die Blätter sind breiter und weicher als beim Deutschen Weidelgras, die Pflanze insgesamt üppiger und wüchsiger. In der Jugend ist das Blatt gerollt, nicht gefaltet; beim Deutschen Weidelgras ist es umgekehrt, und das ist die zuverlässigste Unterscheidung der beiden.

Im Bestand fällt es durch schieres Wachstum auf: Es steht innerhalb weniger Tage, überragt seine Mischungspartner und wirkt grob und wiesig neben einer feinen Narbe. Ungemäht bildet es lange Ähren mit deutlich begrannten Ährchen — auch das ein Unterschied zum Deutschen Weidelgras, dessen Ährchen unbegrannt bleiben.

Wofür Welsches Weidelgras geeignet ist

Seine eine Stärke ist die Geschwindigkeit. Kein anderes hier behandeltes Gras deckt eine offene Fläche so schnell. Damit ist es das Mittel der Wahl überall dort, wo Boden kurzfristig gehalten oder begrünt werden muss, ohne dass eine dauerhafte Narbe entstehen soll: Zwischenbegrünung auf Baustellen, Erosionsschutz auf frisch modellierten Flächen über den Winter, Deckfrucht bei Ansaaten, oder die schnelle Begrünung eines Grundstücks, das im Folgejahr ohnehin umgestaltet wird.

In der Landwirtschaft ist es aus demselben Grund ein wichtiges Futtergras: hohe Erträge in kurzer Zeit, mehrere Schnitte pro Jahr. Für den Garten ist die praktische Übersetzung, dass man mit ihm Zeit kauft — eine grüne, begehbare Fläche in zwei bis drei Wochen statt in einer Saison. Man kauft damit aber ausdrücklich keine Dauerlösung.

Wofür Welsches Weidelgras nicht geeignet ist

Als Hausrasen ist das Welsche Weidelgras ungeeignet, und der Grund steht schon in der Charakteristik: Es ist nicht ausdauernd. Je nach Sorte und Winter hält es ein bis zwei Jahre, dann stirbt es ab. Was bleibt, ist eine Fläche voller Lücken, denn Ausläufer bildet es keine. Wer eine Billigmischung mit hohem Anteil dieser Art kauft, hat im ersten Jahr den schönsten Rasen der Nachbarschaft und im dritten den schlechtesten.

Es ist zudem winterhärteempfindlicher als das Deutsche Weidelgras und fällt in kalten, schneearmen Wintern großflächig aus. Trockenheit verträgt es schlecht, Schatten ebenso wenig, und für einen feinen Rasen ist sein Blatt viel zu grob.

Und es ist ein schlechter Mischungspartner für eine Daueransaat, weil seine Wüchsigkeit die langsameren Arten unterdrückt. Wiesenrispe und Rotschwingel, die vier Wochen zum Keimen brauchen, kommen unter einem dichten Bestand Welschen Weidelgrases nicht hoch. Wo es als Deckfrucht eingesetzt wird, muss es deshalb früh und tief zurückgeschnitten werden, sonst erstickt es genau die Arten, die später die Fläche tragen sollen.

In welchen Mischungen Welsches Weidelgras vorkommt

In den Regel-Saatgut-Mischungen für dauerhafte Rasenflächen ist das Welsche Weidelgras nicht vorgesehen. Sein Platz sind Zwischenbegrünungen, Erosionsschutzansaaten und die Übersaat, dazu der Futterbau. Wo es in einer als Rasen verkauften Mischung in nennenswertem Anteil auftaucht, ersetzt es die teureren Dauerarten und verkauft den schnellen Anblick auf Kosten der Haltbarkeit.

Die Artenliste auf der Packung ist deshalb bei dieser Art besonders aufschlussreich. Sie steht dort in der Regel als Lolium multiflorum; die einjährige Varietät westerwoldicum wird als Einjähriges Weidelgras gesondert ausgewiesen. Beide sind für eine dauerhafte Rasenfläche das falsche Material, und der Unterschied zwischen ihnen ist nur die Frage, ob die Fläche nach einer oder nach zwei Saisons lückig wird.

Welche Arten sonst in deutschen Rasenmischungen stecken, zeigt die Übersicht der Gräserarten. Wie viel Saatgut Ihre Fläche braucht, rechnet der Saatgut-Rechner aus.

Standort und Boden

Das Welsche Weidelgras will nährstoffreiche, frische Böden in voller Sonne — je besser die Versorgung, desto deutlicher spielt es seine Wüchsigkeit aus. Auf mageren, trockenen oder schattigen Standorten verliert es seinen einzigen Vorteil und ist dann auch als Zwischenbegrünung keine gute Wahl; dort ist der Rohrschwingel oder eine Festuca-Mischung sinnvoller.

Für die zeitliche Planung ist die Bodentemperatur entscheidend. Es keimt zuverlässig auch bei kühleren Bedingungen und deckt selbst bei einer späten Herbstaussaat noch, wenn die feineren Arten nicht mehr sicher auflaufen. Genau darin liegt sein Nutzen für den Garten: Es überbrückt den Zeitraum, in dem eine ordentliche Ansaat nicht mehr möglich, offener Boden aber keine Option ist.

Pflege

Geschnitten wird hoch und häufig — 4 bis 6 Zentimeter, und in der Wachstumsphase deutlich öfter als bei einer normalen Rasenmischung, weil die Art schneller zulegt als alle anderen. Wird sie zu lang, legt sie sich um und erstickt darunterliegende Sämlinge; wo sie als Deckfrucht dient, ist der frühe Rückschnitt die entscheidende Maßnahme.

Gedüngt wird nach Bedarf; der Nährstoffhunger ist hoch, aber bei einer Zwischenbegrünung meist irrelevant, weil die Fläche ohnehin nur eine Saison bestehen soll. Wichtiger ist die Planung des Danach: Weil die Art ausfällt und keine Ausläufer bildet, sollte der Termin für die eigentliche Ansaat feststehen, bevor die Zwischenbegrünung ausgebracht wird. Wer darauf hofft, dass sich die Fläche schon halten wird, hat im übernächsten Frühjahr eine Baustelle.

Häufige Fragen zu Welsches Weidelgras

Was ist der Unterschied zwischen Welschem und Deutschem Weidelgras?

Die Ausdauer. Deutsches Weidelgras (Lolium perenne) ist mehrjährig und die Basis fast aller Rasenmischungen; Welsches Weidelgras (Lolium multiflorum) wächst schneller und üppiger, hält aber nur ein bis zwei Jahre. Botanisch unterscheiden sie sich unter anderem in der Knospenlage: beim Welschen ist das junge Blatt gerollt, beim Deutschen gefaltet.

Wie lange hält Welsches Weidelgras?

Ein bis zwei Jahre, je nach Sorte und Winterverlauf. Danach stirbt es ab und hinterlässt Lücken, weil es keine Ausläufer bildet. Für eine dauerhafte Rasenfläche ist es deshalb ungeeignet.

Wofür ist Welsches Weidelgras sinnvoll?

Für alles, was schnell begrünt und nicht dauerhaft bestehen muss: Zwischenbegrünung auf Baustellen, Erosionsschutz über den Winter, Deckfrucht bei Ansaaten oder die schnelle Begrünung einer Fläche, die im Folgejahr ohnehin umgestaltet wird. Es kauft Zeit, keine Dauerlösung.

Ist Welsches Weidelgras dasselbe wie Einjähriges Weidelgras?

Fast. Das Einjährige Weidelgras ist botanisch eine Varietät des Welschen: Lolium multiflorum Lam. var. westerwoldicum. Es ist noch kurzlebiger und überdauert in der Regel nur eine Saison. Eine eigenständige Art Lolium westerwoldicum gibt es nicht.

Warum steht Welsches Weidelgras in meiner Rasenmischung?

Weil es günstig ist und die Fläche schnell grün aussehen lässt. In den RSM-Mischungen für dauerhafte Rasenflächen ist es nicht vorgesehen. Ein hoher Anteil bedeutet meist einen sehr guten ersten und einen sehr schlechten dritten Sommer.

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Alle Angaben sind Richtwerte nach den genannten Fachquellen und ersetzen keine gartenbauliche Beratung. Maßgeblich sind die Sorten- und Packungsangaben des jeweiligen Saatguts.

Gärtnermeister & Rasenpflege-Experte

Bernd Sattler schreibt bei Rasensaison über die Praxis: mähen, wässern, düngen, vertikutieren, nachsäen. Er beantwortet die Fragen, die im Garten wirklich auftauchen, und nennt lieber eine Menge in Millimetern als einen Ratschlag ohne Maß.

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