Einjähriges Weidelgras: Die einjährige Varietät des Welschen
Einjähriges Weidelgras (Lolium multiflorum var. westerwoldicum) wird von der Deutschen Rasengesellschaft so beschrieben: schnelle Begrünung, nicht ausdauernd. Was das für Ihre Fläche bedeutet — und wofür die Art ausdrücklich nicht taugt — steht auf dieser Seite. Im Handel begegnet sie Ihnen auch als Westerwoldisches Weidelgras, Westerwoldisches Raygras.
Steckbrief
| Botanischer Name | Lolium multiflorum var. westerwoldicum |
|---|---|
| Deutscher Name | Einjähriges Weidelgras |
| Blattfeinheit | grob, breit, Unterseite glänzend |
| Wuchsform | Horst, ohne Ausläufer |
| Belastbarkeit | Gering |
| Trockenheitstoleranz | Gering |
| Schattentoleranz | Gering |
| Empfohlene Schnitthöhe | 4 bis 6 cm |
| Typischer Anteil in RSM | Deckfrucht und einjährige Begrünung; in Rasenmischungen nicht vorgesehen |
Woran Sie Einjähriges Weidelgras erkennen
Botanisch ist das Einjährige Weidelgras keine eigene Art, sondern eine Varietät des Welschen Weidelgrases: Lolium multiflorum Lam. var. westerwoldicum Wittm. Diese Einordnung ist der Kern der Seite, denn sie erklärt alles Weitere. Blatt, Halm, Blütenstand und Frucht sind mit denen des Welschen Weidelgrases praktisch identisch — ein sicheres Bestimmungsmerkmal an der einzelnen Pflanze gibt es kaum, und genau deshalb wird die Varietät als solche und nicht als Schwesterart geführt.
Unterscheiden lässt sie sich vor allem am Verhalten. Sie schosst und blüht bereits im Ansaatjahr ohne vorherige Kälteperiode, während das Welsche Weidelgras dafür in der Regel einen Winter benötigt. Wer im Sommer nach der Aussaat blühende Ähren sieht, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit die einjährige Varietät vor sich. Der Name Westerwoldisches Weidelgras, unter dem sie im Handel häufig läuft, meint dieselbe Pflanze.
Wofür Einjähriges Weidelgras geeignet ist
Ihr Nutzen ergibt sich direkt aus der Kurzlebigkeit, und das ist kein Widerspruch: Es gibt Fälle, in denen eine Begrünung ausdrücklich wieder verschwinden soll. Als Deckfrucht bei einer Ansaat schützt sie den Boden und dämpft Unkraut, während die eigentlichen Rasenarten keimen — und räumt danach das Feld, ohne dass jemand sie bekämpfen muss. Als Zwischenbegrünung über eine Saison hält sie einen Hang oder eine Baustellenfläche, die im Folgejahr ohnehin bearbeitet wird.
Sie keimt und deckt schneller als fast alles andere und kommt dabei auch mit kühleren Bedingungen zurecht. Für den Garten heißt das: Wo im Spätsommer oder Herbst offener Boden entsteht und eine ordentliche Rasenansaat aus jahreszeitlichen Gründen nicht mehr sinnvoll ist, hält sie die Fläche über den Winter — statt Erosion, Verschlämmung und einem Frühjahr voller Unkrautsämlinge.
Wofür Einjähriges Weidelgras nicht geeignet ist
Als Rasen ist sie ungeeignet, und zwar noch eindeutiger als das Welsche Weidelgras. Sie überdauert in der Regel nur eine Saison; danach ist die Fläche offen, denn Ausläufer bildet sie keine. Wer sie in einer als Rasen verkauften Mischung findet, hält Material in der Hand, das die Fläche im nächsten Frühjahr zur Neuanlage macht.
Ihre Belastbarkeit ist gering und ihre Trockenheits- wie Schattenverträglichkeit ebenfalls. Sie ist eine Deckfrucht, kein Nutzrasen — auf einer Fläche, die betreten wird, hält sie nicht, und in einem trockenen Sommer fällt sie früh aus.
Als Mischungspartner in einer Daueransaat ist sie zudem riskant, weil ihre Wüchsigkeit die langsam keimenden Arten unterdrückt. Wiesenrispe braucht bis zu vier Wochen; unter einem dichten Bestand Einjährigen Weidelgrases kommt sie nicht hoch. Wo sie als Deckfrucht dient, muss sie deshalb früh zurückgeschnitten werden — sonst kostet der Bodenschutz genau die Arten, die später die Narbe tragen sollen.
In welchen Mischungen Einjähriges Weidelgras vorkommt
In den Regel-Saatgut-Mischungen für Rasenflächen ist das Einjährige Weidelgras nicht vorgesehen. Sein Feld sind Deckfrucht- und Zwischenbegrünungsmischungen sowie der Futterbau, wo die schnelle Massebildung in einer Saison der eigentliche Zweck ist.
Auf Artenlisten erscheint es als Lolium multiflorum var. westerwoldicum oder als Westerwoldisches Weidelgras; gelegentlich wird auch verkürzt Lolium multiflorum angegeben, was es mit dem Welschen Weidelgras zusammenfallen lässt. Wer genau wissen will, was er kauft, achtet auf den Zusatz der Varietät. Für die Praxis ist die Unterscheidung überschaubar: Das Welsche hält ein bis zwei Jahre, das Einjährige eines — für eine dauerhafte Rasenfläche sind beide das falsche Material.
Welche Arten sonst in deutschen Rasenmischungen stecken, zeigt die Übersicht der Gräserarten. Wie viel Saatgut Ihre Fläche braucht, rechnet der Saatgut-Rechner aus.
Standort und Boden
Wie das Welsche Weidelgras bevorzugt es nährstoffreiche, frische Böden in voller Sonne und dankt gute Versorgung mit sehr raschem Wachstum. Auf mageren, trockenen oder schattigen Standorten verliert es seinen einzigen Vorteil, die Geschwindigkeit, und ist dann auch als Deckfrucht die falsche Wahl.
Der praktische Wert liegt in der Terminfrage. Weil es auch bei niedrigeren Bodentemperaturen zuverlässig keimt, deckt es eine im Herbst entstandene Fläche noch, wenn für eine reguläre Rasenansaat die Zeit fehlt. Die eigentliche Ansaat verschiebt sich dann auf das Frühjahr — auf einen Boden, der über den Winter gehalten und nicht verschlämmt wurde.
Pflege
Die Pflege ist auf die eine Saison ausgelegt, die es ohnehin besteht. Geschnitten wird bei 4 bis 6 Zentimetern und in der Wachstumsphase häufig, weil es schnell zulegt und sich sonst umlegt. Als Deckfrucht über einer Rasenansaat ist der frühe, konsequente Rückschnitt die entscheidende Maßnahme: Er nimmt der Varietät das Licht-Übergewicht und gibt es an die langsamen Zielarten weiter.
Gedüngt wird nur, wenn die Fläche tatsächlich Masse bilden soll; bei reiner Bodendeckung ist es überflüssig. Wichtiger ist auch hier die Planung des Danach: Da die Varietät nach einer Saison ausfällt und keine Ausläufer bildet, sollte der Termin für die eigentliche Ansaat feststehen, bevor sie ausgebracht wird. Sie ist ein Übergang mit festem Ablaufdatum, und dieses Ablaufdatum gehört in die Planung.
Häufige Fragen zu Einjähriges Weidelgras
Ist Einjähriges Weidelgras eine eigene Art?
Nein. Es ist botanisch eine Varietät des Welschen Weidelgrases: Lolium multiflorum Lam. var. westerwoldicum Wittm. Eine eigenständige Art Lolium westerwoldicum gibt es nicht. Blatt, Halm, Blütenstand und Frucht stimmen mit denen des Welschen Weidelgrases praktisch überein.
Wie unterscheide ich es vom Welschen Weidelgras?
An der einzelnen Pflanze kaum, aber am Verhalten. Die einjährige Varietät schosst und blüht bereits im Ansaatjahr ohne vorherige Kälteperiode, während das Welsche Weidelgras dafür in der Regel einen Winter braucht. Blühende Ähren im Sommer nach der Aussaat sprechen für die Varietät.
Wofür ist Einjähriges Weidelgras gut?
Als Deckfrucht bei einer Rasenansaat und als Zwischenbegrünung über eine Saison. Es schützt den Boden, dämpft Unkraut und verschwindet danach von selbst, ohne bekämpft werden zu müssen. Voraussetzung ist der frühe Rückschnitt, damit es die langsam keimenden Zielarten nicht unterdrückt.
Kann ich damit einen Rasen anlegen?
Nein. Es überdauert in der Regel nur eine Saison und bildet keine Ausläufer; die Fläche ist danach offen. Für eine dauerhafte Rasenfläche sind Deutsches Weidelgras, Wiesenrispe und Rotschwingel die richtigen Arten.
Was heißt Westerwoldisches Weidelgras?
Das ist derselbe Pflanzenname unter anderer Bezeichnung, abgeleitet von der Varietätsbezeichnung westerwoldicum. Im Handel laufen beide Namen nebeneinander und meinen dieselbe einjährige Varietät des Welschen Weidelgrases.
Verwandte Seiten
- Alle Gräserarten im VergleichBlatt, Ausläufer, Belastbarkeit und RSM-Anteil in einer Tabelle
- Welsches WeidelgrasDie schnellste Begrünung im Sortiment — und nach ein bis zwei Jahren wieder verschwunden
- WiesenschwingelEin Futterbaugras mit Rasenrandrolle — schnell etabliert, aber im Hausrasen von besseren Arten überholt
- Deutsches WeidelgrasDie ausdauernde Art, die eine Rasenfläche tatsächlich trägt

Bernd Sattler schreibt bei Rasensaison über die Praxis: mähen, wässern, düngen, vertikutieren, nachsäen. Er beantwortet die Fragen, die im Garten wirklich auftauchen, und nennt lieber eine Menge in Millimetern als einen Ratschlag ohne Maß.