Artenprofil · Wurzeltyp: oberirdische Ausläufer

Gundermann im Rasen: Was Kalk und Feuchte damit zu tun haben

Der Lippenblütler, den man riecht, bevor man ihn bestimmt

Gundermann (Glechoma hederacea) zeigt frische Böden mit kontinuierlicher Wasser- und guter Kalkversorgung an. Was daraus für Ihre Fläche folgt, welche Merkmale die Art von ihren Verwechslungspartnern trennen und ob das Vertikutieren bei ihr hilft, nichts bewirkt oder sie sogar vermehrt, steht auf dieser Seite. Regional begegnet sie Ihnen auch als Gundelrebe, Erdefeu.

Steckbrief

Botanischer NameGlechoma hederacea
Blattformnierenförmig bis herzförmig, grob gekerbt, gegenständig, lang gestielt
Wuchsformkriechend mit langen oberirdischen Ausläufern, klettert an Kanten hoch
Wurzeltypoberirdische Ausläufer, die an jedem Knoten Wurzeln bilden
BlütezeitApril bis Juni, blauviolette Lippenblüten in den Blattachseln
Ausbreitungswegüber Ausläufer, die meterlang werden, zusätzlich über Samen
Zeigt anfrische Böden mit kontinuierlicher Wasser- und guter Kalkversorgung
VertikutierenHilft
Verwechselt mitEhrenpreis

Zeigeraussage nach gängiger deutscher Gartenliteratur zu Rasenunkräutern, gestützt durch die Zeigerwerte nach Ellenberg für Feuchte und Reaktion.

Woran Sie Gundermann erkennen

Der schnellste Test kostet drei Sekunden und kein Bestimmungsbuch: Nehmen Sie einen Trieb zwischen die Finger und rollen Sie ihn. Gundermann hat einen deutlich VIERKANTIGEN Stängel, wie alle Lippenblütler, und die Kanten sind mit etwas Aufmerksamkeit spürbar. Zerreiben Sie danach ein Blatt: Der Geruch ist kräftig würzig, etwas herb, unverwechselbar. Keine andere kriechende Art im Rasen verbindet diese beiden Merkmale.

Das Blatt ist nierenförmig bis herzförmig mit grob gekerbtem Rand, lang gestielt und steht immer gegenständig, also paarweise gegenüber. Diese Gegenständigkeit ist das dritte sichere Merkmal und trennt Gundermann von Ehrenpreis, dessen Blätter wechselständig sitzen. Die Triebe kriechen über den Boden, wurzeln an den Knoten und werden dabei erstaunlich lang; ein einzelner Ausläufer schafft in einer Saison über einen Meter.

Ab April kommen die Blüten: blauviolett, deutlich zweilippig, und sie sitzen zu zweit oder zu dritt in den Blattachseln, nicht auf langen Einzelstielen. Wo Gundermann an eine Beetkante, eine Mauer oder eine Hecke stößt, hört er nicht auf, sondern klettert daran hoch. Genau deshalb kommt er im Rasen meist von den Rändern, nicht aus der Mitte.

Verwechslungsgefahr: Ehrenpreis ist der häufigste Verwechslungspartner, weil beide flach kriechen und gekerbte, rundliche Blätter haben. Der Stängeltest entscheidet: Gundermann vierkantig und würzig riechend, Ehrenpreis rund und geruchlos. Dazu die Blüte: Gundermann trägt blauviolette Lippenblüten zu mehreren in den Blattachseln, Ehrenpreis einzelne himmelblaue Blüten auf langen Stielen. Zum Profil Ehrenpreis.

Was Gundermann über Ihren Boden verrät

Gundermann meldet zwei Dinge gleichzeitig, und die Kombination ist sein eigentlicher Wert als Zeiger: frische, also gleichmäßig feuchte Böden mit kontinuierlicher Wasserversorgung, und eine gute Kalkversorgung. Er ist damit ausdrücklich KEIN Säurezeiger, sondern das Gegenteil. Wer Gundermann im Rasen hat und reflexhaft kalkt, weil er das von Moos gelernt hat, verstärkt genau die Bedingung, unter der die Art sich wohlfühlt.

Daraus folgt die wichtigste Maßnahme dieser Seite, und sie ist eine Messung: Vor jeder Kalkgabe den pH-Wert bestimmen lassen. Nur wenn der Boden tatsächlich sauer ist, ist Kalk die richtige Antwort, und in dem Fall geht es um das Gras, nicht um den Gundermann. Wie viel Kalk eine Fläche bei einem gemessenen pH-Wert und einer bestimmten Bodenart braucht, rechnet der Kalkrechner aus; blind gekalkt wird nicht.

Der zweite Teil der Meldung betrifft das Wasser. Frische Böden sind nicht nass, sondern gleichmäßig versorgt, oft im Halbschatten, unter Bäumen oder an der Nordseite. Wo Gundermann in einer Rasenfläche flächig auftritt, lohnt der Blick auf die Lichtverhältnisse: Er verträgt Schatten deutlich besser als die meisten Rasengräser, und in einer schattigen Lage gewinnt er den Wettbewerb nicht über den Boden, sondern über das Licht. Eine schattenverträgliche Nachsaatmischung ist dort der wirksamere Hebel als jede Bodenmaßnahme.

Die Maßnahme dazu: Kalkbedarf berechnen. Die Lücken, die bei der Entnahme entstehen, gehören im selben Arbeitsgang geschlossen; wie viel Saatgut dafür nötig ist, rechnet der Saatgut-Rechner aus.

So werden Sie Gundermann los

Mechanisch lohnt sich bei Gundermann die Arbeit von außen nach innen. Verfolgen Sie einen Ausläufer bis zu seinem Ursprung, meist am Rand der Fläche, an einer Beetkante oder unter einer Hecke, und entfernen Sie zuerst die Mutterpflanze. Danach die Ausläufer aufrollen und mitsamt den bewurzelten Knoten abheben. Wer nur die Ausläufer im Rasen zieht und die Quelle am Rand stehen lässt, wiederholt die Arbeit im nächsten Jahr an derselben Stelle.

Auf größeren Flächen ist Vertikutieren wirksam, weil die Ausläufer oberirdisch liegen. Der Termin im Frühjahr hat hier einen Zusatznutzen: vor der Blüte im April gearbeitet, verhindert er die Samenbildung derselben Saison. Messertiefe 2 bis 3 mm, nicht bei nassem Boden. Das ausgekämmte Material vollständig abfahren, weil bewurzelte Knoten in liegen gebliebenem Gut weiterleben.

Pflegerisch entscheidet die Konkurrenzkraft des Grases, und die hängt in Gundermann-Lagen fast immer am Licht. Wo die Fläche schattig ist, gehört eine schattenverträgliche Nachsaatmischung hinein; wo sie sonnig ist, reichen dichte Nachsaat und eine Schnitthöhe von 4 bis 5 Zentimetern. Die Ränder verdienen dabei die meiste Aufmerksamkeit, denn von dort kommt die Art zurück.

Vertikutieren gegen Gundermann: Hilft

Vertikutieren hilft gegen Gundermann. Die Art breitet sich über oberirdische Ausläufer aus, die an jedem Knoten wurzeln, und diese Ebene erfassen die Messer bei 2 bis 3 mm Tiefe zuverlässig. Der beste Termin liegt im Frühjahr vor der Blüte, weil damit zusätzlich die Samenbildung derselben Saison ausfällt. Wirkungslos bleibt der Arbeitsgang, wenn die Mutterpflanze am Rand der Fläche, an der Beetkante oder unter der Hecke stehen bleibt: Von dort kriecht die Art innerhalb einer Saison zurück.

Termin, Messertiefe und Nachbereitung stehen im Ratgeber Rasen vertikutieren; warum eine Fläche nach dem Termin oft mehr Unkraut trägt als davor, erklärt Unkraut nach dem Vertikutieren.

Was nicht funktioniert

Bei Gundermann führen zwei verschiedene Denkfehler zu denselben vergeblichen Versuchen. Der erste ist die Übertragung des Moos-Reflexes: Wer bei jedem Bodenproblem kalkt, verbessert hier genau die Bedingung, die die Art bevorzugt. Der zweite ist der Blick nur auf die Rasenfläche, während der Bestand von außerhalb der Mähkante nachwächst.

  • Kalken gegen Gundermann. Er zeigt eine GUTE Kalkversorgung an, nicht deren Mangel; die Gabe verbessert seine Bedingungen, statt sie zu verschlechtern.
  • Nur die Triebe im Rasen ziehen. Solange die Mutterpflanze am Beetrand oder unter der Hecke steht, ist die Fläche im nächsten Jahr wieder erreicht.
  • Abmähen der Ausläufer. Der Mäher trifft die aufrechten Blütentriebe, die kriechenden Ausläufer liegen darunter und bleiben unversehrt.
  • Vertikutieren im Schatten ohne passende Nachsaat. Die Lücke entsteht, aber gewöhnliche Rasenmischungen schließen sie im Schatten nicht, und Gundermann tut es.
  • Liegen gelassenes Vertikutiergut. Bewurzelte Knoten überleben darin und wachsen an der neuen Stelle wieder an.

Vorbeugen

Vorbeugen heißt bei Gundermann, die Grenze zu bewachen statt die Fläche. Die Art hat ihre Dauerstandorte dort, wo nicht gemäht wird und der Boden gleichmäßig feucht bleibt, und schiebt von dort meterlange Ausläufer in den Rasen. Wer diese Zonen einmal im Jahr kontrolliert, spart sich die wiederkehrende Arbeit in der Fläche.

  • Den pH-Wert messen lassen, bevor überhaupt über Kalk nachgedacht wird
  • Beetkanten und Heckenränder freihalten, weil die Art von dort in die Fläche kriecht
  • In schattigen Lagen mit schattenverträglichen Mischungen nachsäen statt mit Standardsaatgut
  • Im Frühjahr vor der Blüte vertikutieren, um die Samenbildung derselben Saison zu verhindern
  • Schnitthöhe bei 4 bis 5 cm halten, damit das Gras die Bodenoberfläche beschattet

Häufige Fragen zu Gundermann

Wie unterscheide ich Gundermann von Ehrenpreis?

Am Stängel und am Geruch. Gundermann hat einen deutlich vierkantigen Stängel und riecht beim Zerreiben kräftig würzig; Ehrenpreis hat runde, fadendünne Stängel und keinen Geruch. Dazu stehen Gundermanns Blätter gegenständig und seine blauvioletten Lippenblüten zu mehreren in den Blattachseln.

Sollte ich gegen Gundermann kalken?

Nein, jedenfalls nicht seinetwegen. Gundermann zeigt eine gute Kalkversorgung an, ist also kein Säurezeiger. Eine Kalkgabe verbessert seine Bedingungen. Kalk ist nur dann richtig, wenn eine Messung einen zu niedrigen pH-Wert ergibt, und dann geht es um das Gras.

Hilft Vertikutieren gegen Gundermann?

Ja, weil die Art sich über oberirdische Ausläufer ausbreitet, die die Messer bei 2 bis 3 mm Tiefe erfassen. Der Frühjahrstermin vor der Blüte ist der beste. Entscheidend ist, zusätzlich die Mutterpflanze am Rand der Fläche zu entfernen, sonst ist die Fläche in einer Saison wieder erreicht.

Warum kommt Gundermann immer vom Rand?

Weil er dort seine Dauerstandorte hat: unter Hecken, an Beetkanten und Mauern, wo nicht gemäht wird und der Boden gleichmäßig feucht bleibt. Von dort schiebt er meterlange Ausläufer in die Fläche. Wer nur im Rasen arbeitet, bekämpft die Ausläufer und lässt die Quelle stehen.

Ist Gundermann ein Zeichen für nassen Boden?

Für frischen, nicht für nassen. Frisch heißt gleichmäßig mit Wasser versorgt, ohne Staunässe. Steht das Wasser dagegen tatsächlich, ist der Kriechende Hahnenfuß der typischere Zeiger; er kommt mit sauerstoffarmen, verdichteten Böden zurecht, in denen Gundermann nicht dominiert.

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Alle Angaben sind Richtwerte nach den genannten Fachquellen und ersetzen weder eine Bodenuntersuchung noch eine gartenbauliche Beratung. Zeigerpflanzen liefern Hinweise, keine Messwerte.

Gärtnermeister & Rasenpflege-Experte

Bernd Sattler schreibt bei Rasensaison über die Praxis: mähen, wässern, düngen, vertikutieren, nachsäen. Er beantwortet die Fragen, die im Garten wirklich auftauchen, und nennt lieber eine Menge in Millimetern als einen Ratschlag ohne Maß.

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