Methode

Unkraut nach dem Vertikutieren: Warum es plötzlich mehr wird

Offener Boden ist genau das, worauf der Samenvorrat wartet

Es ist eine der häufigsten Beobachtungen im Rasenjahr: Sechs Wochen nach dem Vertikutieren steht mehr Unkraut in der Fläche als davor. Das ist kein Zufall und kein Fehler der Maschine, sondern die vorhersehbare Folge von drei Mechanismen. Alle drei lassen sich abstellen, und zwar am selben Termin, an dem vertikutiert wird.

Grund eins: Der Arbeitsgang legt ein Keimbett frei

Vertikutieren tut genau das, wofür es gebaut ist: Es reißt Filz und Moos heraus und öffnet die Narbe, damit Luft, Wasser und Saatgut den Boden erreichen. Der Nebeneffekt ist, dass anschließend Licht auf die Bodenoberfläche fällt, und Licht ist bei den meisten Unkrautsamen der auslösende Reiz zur Keimung. Sie liegen im Boden und warten, viele davon über Jahre keimfähig.

Der Samenvorrat einer normalen Gartenrasenfläche ist größer, als die meisten vermuten. Löwenzahn hat über Jahre Flugsamen eingetragen, Vogelmiere hat mehrere Generationen pro Jahr abgesamt, die Wegericharten haben von Juni bis Oktober nachgeliefert. Nichts davon ist sichtbar, solange die Narbe geschlossen ist. Der Vertikutierer macht diesen Vorrat in einem Arbeitsgang aktiv.

Deshalb ist die Nachsaat kein optionaler Zusatz zum Vertikutieren, sondern der eigentliche Zweck des Termins. Wer vertikutiert und nicht nachsät, hat eine Fläche vorbereitet und die Aussaat dem Samenvorrat überlassen. Die Konkurrenz um die offene Stelle entscheidet sich in den ersten zwei bis drei Wochen, und in dieser Zeit ist Rasensaat das einzige, was das Rennen für die Gräser entscheidet.

Grund zwei: Vier Arten werden durch die Messer vermehrt

Der zweite Grund betrifft nicht Samen, sondern Wurzeln, und er ist der unangenehmere. Quecke, Giersch, Schafgarbe und Brennnessel überdauern in waagerechten unterirdischen Sprossen, den Rhizomen. Diese liegen bei allen vier Arten teilweise in der obersten Bodenschicht, und die Vertikutiermesser zerschneiden sie dort. Jedes Bruchstück, das eine Knospe trägt, ist eine vollständige neue Pflanze.

Der Effekt ist rechnerisch eindeutig: Aus einem zusammenhängenden Bestand mit wenigen Trieben wird ein Bestand mit vielen. Bei Giersch, dessen Rhizome besonders brüchig sind, kann ein einziger Maschinengang eine Randzone in einen flächigen Bestand verwandeln. Dasselbe gilt für Fräsen und Umgraben, nur in größerem Maßstab.

Diese vier Arten sind deshalb der Grund, warum vor dem Vertikutieren bestimmt werden sollte. Findet sich beim Graben ein waagerechtes, weißes oder gelbliches Rhizom, ist die Maschine die falsche Wahl, und die Arbeit geht mit der Grabegabel weiter: flach anheben, das Geflecht in langen Stücken bergen, dann erst über einen Vertikutiertermin nachdenken.

Grund drei: Vier weitere Arten überleben ihn unbeschadet

Der dritte Mechanismus ist subtiler und erklärt, warum eine Fläche nach dem Vertikutieren manchmal nicht mehr Unkraut hat, aber deutlich sichtbareres. Löwenzahn, Spitzwegerich, Breitwegerich und Gänseblümchen überdauern unterhalb der Arbeitstiefe von 2 bis 3 Millimetern, in Pfahlwurzeln und bodennahen Rosetten. Die Messer schneiden ihnen die Blätter ab, das Überdauerungsorgan bleibt unversehrt.

Diese Arten treiben nach dem Arbeitsgang zügig wieder aus, und zwar in eine Fläche, die durch das Vertikutieren gerade ihre Deckung verloren hat. Während die Gräser noch regenerieren, stehen die Rosetten schon wieder, teils mehrtriebig, wenn die Wurzel angerissen wurde. Für den Betrachter sieht das nach einer Vermehrung aus, obwohl es eine Verschiebung im Wettlauf ist.

Auch hier ist die Nachsaat die Antwort, und zwar eine dichte. Sie gibt den Gräsern den Vorsprung zurück, den ihnen der Arbeitsgang genommen hat. Ergänzend lohnt es sich, größere Rosetten vor dem Vertikutieren auszustechen statt danach: Vorher ist die Narbe geschlossen und die Lücke bleibt klein, nachher ist die ganze Fläche offen.

Was am Termin selbst zu tun ist

Aus den drei Mechanismen ergibt sich eine klare Reihenfolge für den Vertikutiertermin. Zuerst bestimmen, was in der Fläche steht, und die Rhizom-Arten von Hand bergen. Dann die größeren Pfahlwurzler ausstechen, solange die Narbe noch geschlossen ist. Dann vertikutieren, mit 2 bis 3 Millimetern Messertiefe, auf abgetrocknetem Boden.

Danach das ausgekämmte Material vollständig von der Fläche holen. Das ist bei Ehrenpreis und Gundermann keine Frage der Optik: Bewurzelte Triebstücke im liegen gebliebenen Gut wachsen an, und beim Faden-Ehrenpreis ist das sogar der Hauptvermehrungsweg der Art. Anschließend nachsäen, andrücken, und in den folgenden zwei bis drei Wochen gleichmäßig feucht halten.

Der Termin selbst liegt im Frühjahr oder von Mitte September bis Mitte Oktober, nie im Hochsommer und nicht bei nassem Boden. Das Herbstfenster ist für die anschließende Nachsaat meist das bessere, weil der Boden warm ist und die Verdunstung nachlässt. Eine Fläche, die im Frühsommer geöffnet und dann sich selbst überlassen wird, ist der klassische Ausgangspunkt für einen Hirse-Sommer.

Häufige Fragen: Unkraut nach dem Vertikutieren

Warum habe ich nach dem Vertikutieren mehr Unkraut?

Weil der Arbeitsgang Licht auf die Bodenoberfläche lässt und Licht bei den meisten Unkrautsamen der Keimreiz ist. Der Samenvorrat im Boden ist groß und über Jahre keimfähig; solange die Narbe geschlossen ist, bleibt er inaktiv. Ohne Nachsaat entscheidet dieser Vorrat, was die offene Fläche besetzt.

Welche Unkräuter werden durch Vertikutieren vermehrt?

Quecke, Giersch, Schafgarbe und Brennnessel. Alle vier überdauern in waagerechten unterirdischen Rhizomen, die teilweise in der obersten Bodenschicht liegen. Die Messer zerschneiden sie dort, und jedes Bruchstück mit einer Knospe ist eine vollständige neue Pflanze.

Muss ich nach dem Vertikutieren immer nachsäen?

Ja. Die Nachsaat ist nicht der Zusatz zum Termin, sondern sein Zweck. Die Konkurrenz um die offene Fläche entscheidet sich in den ersten zwei bis drei Wochen, und in dieser Zeit ist Rasensaat das Einzige, was das Rennen für die Gräser entscheidet statt für den Samenvorrat.

Soll ich vor oder nach dem Vertikutieren ausstechen?

Vorher. Solange die Narbe geschlossen ist, bleibt die Lücke nach dem Stich klein und wird von den umliegenden Gräsern mitgedeckt. Nach dem Vertikutieren ist die ganze Fläche offen, und eine zusätzliche Stichlücke fällt in eine Situation, in der ohnehin alles um den Platz konkurriert.

Warum muss das Vertikutiergut von der Fläche?

Weil es bei mehreren Arten vermehrungsfähig ist. Bewurzelte Triebstücke von Ehrenpreis und Gundermann wachsen im liegen gebliebenen Gut wieder an, und beim Faden-Ehrenpreis ist die Ausbreitung über Triebstücke sogar der Hauptvermehrungsweg. Liegen gelassenes Material wirkt dann wie eine gleichmäßige Aussaat.

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Alle Angaben sind Richtwerte nach gängiger Rasenpflegepraxis und ersetzen weder eine Bodenuntersuchung noch eine gartenbauliche Beratung. Für Pflanzenschutzmittel gelten Zulassung und Anwendungsvorgaben; diese Seiten nennen keine Produkte und sprechen keine Anwendungsempfehlung aus.

Gärtnermeister & Rasenpflege-Experte

Bernd Sattler schreibt bei Rasensaison über die Praxis: mähen, wässern, düngen, vertikutieren, nachsäen. Er beantwortet die Fragen, die im Garten wirklich auftauchen, und nennt lieber eine Menge in Millimetern als einen Ratschlag ohne Maß.

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