Sommer · 6 Min. · Einsteiger

Brauner Rasen trotz Gießen: Die vier häufigsten Ursachen

Warum tägliches Wässern die Wurzeln oft gar nicht erreicht

Es wirkt paradox: Man gießt jeden Abend gewissenhaft, und trotzdem wird der Rasen braun. Meist liegt die Ursache nicht im Wassermangel an sich, sondern in der Art des Gießens. Oberflächliches Wasser verdunstet, bevor es die Wurzeln erreicht. Daneben kommen Staunässe und Rasenfilz als weniger offensichtliche Gründe infrage.

Auf einen Blick

MerkmalEmpfehlung
ZeitpunktFrüh am Morgen gießen, nicht mittags
Häufigkeit1 bis 2 Mal pro Woche statt täglich
WerkzeugSpaten für den Bodentest, Rasensprenger
DauerBodentest in Minuten, Umstellung sofort möglich

Der häufigste Grund: das Wasser erreicht die Wurzeln nicht

Tägliches, kurzes Gießen befeuchtet nur die obersten Millimeter des Bodens. Genau diese Schicht trocknet in der Sommerhitze am schnellsten wieder ab. Das Wasser gelangt so nie in die Tiefe, in der die eigentlichen Wurzeln sitzen.

Die Folge ist doppelt ungünstig: Die Gräser leiden trotz regelmäßiger Wassergaben unter Durst, und sie bilden flache Notwurzeln direkt unter der Oberfläche. Diese oberflächennahen Wurzeln machen den Rasen noch empfindlicher gegen Trockenheit, ein Teufelskreis entsteht.

Tipp

Gießen Sie lieber ein bis zwei Mal pro Woche durchdringend mit 10 bis 15 Litern pro Quadratmeter als jeden Tag ein bisschen. So wachsen die Wurzeln in die Tiefe.

Zuerst prüfen

Prüfen Sie zuerst, ob bei Ihnen ein Bewässerungsverbot gilt. In über 40 Landkreisen ist die Wasserentnahme aus Bächen und Flüssen derzeit eingeschränkt, bevor Sie den Sprenger aufstellen.

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Der Brennglaseffekt: Mythos und Wirklichkeit

Hartnäckig hält sich die Warnung, Wassertropfen wirkten in der Sonne wie kleine Brenngläser und würden die Halme verbrennen. Dieser Brennglaseffekt ist beim Rasen weitgehend ein Mythos. Die Tropfen liegen zu nah an den Halmen und verdunsten zu schnell, als dass sie das Gras nennenswert schädigen könnten.

Das eigentliche Problem beim Gießen in der Mittagssonne ist die Verdunstung. Ein großer Teil des Wassers verdampft, bevor es überhaupt in den Boden einsickert. Sie verlieren also Wasser und Wirkung, ohne dass Ihre Mühe bei den Wurzeln ankommt.

Tipp

Verlegen Sie das Gießen auf den frühen Morgen. Dann ist die Verdunstung am geringsten und der Boden nimmt das Wasser optimal auf.

Staunässe als versteckte Ursache

Manchmal ist nicht zu wenig, sondern zu viel Wasser das Problem. Bei verdichteten oder lehmigen Böden kann das Wasser nicht ablaufen und staut sich im Wurzelbereich. Die Wurzeln bekommen keine Luft mehr, faulen und die Halme werden trotz feuchten Bodens braun.

Ein Hinweis auf Staunässe sind dunkle, matschige und unangenehm riechende Wurzeln beim Blick in den Boden. In diesem Fall hilft kein zusätzliches Gießen, sondern eine bessere Bodendurchlüftung, etwa durch Aerifizieren oder das Einarbeiten von Sand in schwere Böden.

Achtung

Gießen Sie bei Verdacht auf Staunässe nicht einfach weiter. Zusätzliches Wasser verschärft das Problem und lässt noch mehr Wurzeln absterben.

Rasenfilz blockiert das Wasser

Eine dicke Schicht aus abgestorbenen Pflanzenresten, die sogenannte Rasenfilzschicht, kann Wasser abweisen wie ein Schwamm, der nicht mehr aufnahmefähig ist. Das Gießwasser perlt ab oder verdunstet auf der Filzschicht, statt in den Boden zu gelangen.

Ob Filz die Ursache ist, zeigt der Fingertest: Schieben Sie die Finger durch die Grasnarbe bis zum Boden. Spüren Sie eine schwammige Schicht von mehr als einem Zentimeter, behindert der Filz die Wasseraufnahme. Entfernt wird er durch Vertikutieren, allerdings erst im Frühjahr oder Frühherbst und nicht in der Sommerhitze.

So gehen Sie der Ursache auf den Grund

Prüfen Sie zunächst, wie tief Ihr Wasser eindringt. Stechen Sie nach dem Gießen mit einem Spaten ein Stück Boden aus und schauen Sie, bis in welche Tiefe die Erde feucht ist. Bleibt nur die oberste Schicht nass, gießen Sie zu oberflächlich.

Beurteilen Sie außerdem den Boden und die Grasnarbe: Feuchter, aber fauliger Boden deutet auf Staunässe, eine dicke Filzschicht auf Rasenfilz hin. Erst wenn diese Ursachen ausgeschlossen sind, liegt es tatsächlich am zu geringen oder falsch verteilten Wasser. So behandeln Sie das richtige Problem statt nur die Symptome.

Tipp

Ein einfacher Bodentest mit dem Spaten kostet nur Minuten und erspart Ihnen wochenlanges vergebliches Gießen an der falschen Stelle.

Häufige Fragen

Warum wird mein Rasen braun, obwohl ich jeden Tag gieße?

Tägliches kurzes Gießen befeuchtet nur die Oberfläche, die schnell wieder abtrocknet. Das Wasser erreicht die Wurzeln nicht. Besser sind ein bis zwei durchdringende Wassergaben pro Woche mit 10 bis 15 Litern pro Quadratmeter.

Verbrennen Wassertropfen den Rasen in der Sonne?

Der Brennglaseffekt ist beim Rasen weitgehend ein Mythos. Das eigentliche Problem beim Gießen in der Mittagssonne ist die hohe Verdunstung, bei der ein Großteil des Wassers verdampft, bevor es den Boden erreicht.

Kann zu viel Gießen den Rasen ebenfalls braun machen?

Ja. Bei verdichteten Böden führt zu viel Wasser zu Staunässe. Die Wurzeln bekommen keine Luft, faulen und die Halme werden braun. Dunkle, matschige Wurzeln sind ein deutliches Warnzeichen dafür.

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Klima- & Datenredakteurin

Miriam Schöller kümmert sich um alles, was gemessen wird. Sie liest die Indizes des Deutschen Wetterdienstes, den Waldbrandgefahrenindex ebenso wie den Graslandfeuerindex, und erklärt, was die fünf Stufen für einen Sonntagnachmittag im Wald bedeuten.

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