Herbst · 8 Min. · Einsteiger

Nachsäen nach dem Vertikutieren: Warum sofort und wie viel

Der Arbeitsgang, ohne den das Vertikutieren nur eine Verletzung ist

Das Vertikutieren wird meistens als die eigentliche Arbeit angesehen und die Nachsaat als optionaler Zusatz. Fachlich ist es umgekehrt: Der Vertikutierer stellt eine Frage, indem er die Narbe öffnet, und die Nachsaat ist die Antwort. Wer nur fragt, bekommt eine Antwort vom Samenvorrat im Boden, und der besteht aus Moos und Unkraut. Diese Seite behandelt den Arbeitsgang, der über das Ergebnis entscheidet.

Auf einen Blick

MerkmalEmpfehlung
ZeitpunktUnmittelbar nach dem Vertikutieren, Boden dauerhaft über rund 10 °C
HäufigkeitBei jedem Vertikutiertermin, ohne Ausnahme
WerkzeugStreuwagen, Rasenwalze oder Brett, Sprenger
DauerKeimung in ein bis drei Wochen je nach Art und Bodentemperatur

Warum sofort, und nicht in zwei Wochen

Nach dem Vertikutieren liegt die Narbe offen: Rillen mit freiliegender Erde, dazwischen die verbliebenen Grashorste. Für Saatgut ist das ein nahezu ideales Keimbett, weil das Korn Bodenkontakt bekommt und zwischen den Halmen vor Austrocknung und Vogelfraß geschützt liegt. Dieses Fenster ist der Grund, warum überhaupt vertikutiert wird.

Es bleibt aber nicht lange offen, und zwar nicht, weil die Gräser es schließen, sondern weil andere schneller sind. Der Samenvorrat im Boden einer normalen Gartenfläche ist groß und über Jahre keimfähig; er wartet ausschließlich auf Licht. Sobald Licht die Bodenoberfläche erreicht, keimen Vogelmiere, Wegerich, Löwenzahn und die übrigen Arten, und im Herbst kommt Moos dazu. Die Konkurrenz um die Lücke entscheidet sich in den ersten zwei bis drei Wochen.

Daraus folgt die Regel: Die Nachsaat gehört in denselben Arbeitsgang, nicht in einen Folgetermin. Wer das Saatgut nicht im Haus hat, verschiebt besser das ganze Vertikutieren. Eine Nachsaat zwei Wochen später konkurriert nicht mehr mit offener Fläche, sondern mit einem bereits etablierten Bestand, und ihre Keimrate bricht entsprechend ein.

Tipp

Kaufen Sie das Saatgut, bevor Sie den Vertikutierer mieten. Das klingt banal, ist aber der häufigste Grund dafür, dass die Nachsaat auf ein späteres Wochenende rutscht und die Fläche in der Zwischenzeit anderweitig besetzt wird.

Wie viel Saatgut: die Menge und woran sie hängt

Für eine Nachsaat in eine bestehende, vertikutierte Narbe liegt die übliche Menge bei rund 10 bis 15 Gramm je Quadratmeter. Das ist deutlich weniger als bei einer Neuanlage, bei der die Fläche vollständig aus der Saat entstehen muss; hier geht es darum, vorhandene Lücken zu schließen.

Innerhalb dieser Spanne entscheidet der Zustand der Fläche. Eine leicht ausgedünnte Narbe mit kleinen Rillen kommt mit dem unteren Wert aus. Eine Fläche, die stark verfilzt war und aus der entsprechend viel Material herausgekommen ist, liegt am oberen Ende oder darüber. Wer unsicher ist, nimmt lieber etwas mehr: Zu dicht gesät führt zu Konkurrenz zwischen den Keimlingen, zu dünn gesät führt zu Lücken, und Lücken sind das teurere Problem.

Die Menge für Ihre konkrete Fläche rechnet der Saatgut-Rechner aus. Für die Sortenwahl gilt: Eine Nachsaatmischung sollte zum vorhandenen Bestand passen, sonst steht die Fläche in zwei Jahren zweifarbig da. Welche Art was kann und welche RSM-Nummer wofür steht, führt die Übersicht der Gräserarten auf.

Ein Hinweis zum Ausbringen: Von Hand wird es fast nie gleichmäßig. Ein Streuwagen bei halber Einstellung, dafür zweimal über die Fläche und beim zweiten Durchgang quer, verteilt spürbar besser als ein Durchgang bei voller Einstellung.

Andrücken, abdecken, feucht halten

Nach dem Ausbringen entscheiden drei Handgriffe darüber, ob aus dem Saatgut eine Narbe wird.

Andrücken ist der wichtigste und wird am häufigsten übersprungen. Rasensamen ist ein Lichtkeimer und darf nicht eingegraben werden, aber er braucht Bodenkontakt: Ein Korn, das auf der Oberfläche liegt, trocknet zwischen zwei Wassergaben aus und keimt nicht. Eine Rasenwalze erledigt das auf größeren Flächen, auf kleinen genügt ein Brett, auf das man tritt. Der Unterschied in der Keimrate ist erheblich.

Abdecken ist optional, aber nützlich. Eine dünne Schicht Substrat oder Sand, wenige Millimeter, hält die Feuchtigkeit an der Saat und schützt vor Vögeln. Wichtig ist, dass es dünn bleibt: Zu viel Auflage nimmt dem Lichtkeimer das Licht.

Feucht halten ist die Aufgabe für die folgenden zwei bis drei Wochen, und sie duldet keine Lücke. Keimende Saat verträgt kein Austrocknen; einmal ausgetrocknete Keimlinge kommen nicht zurück. Das heißt: häufiger und in kleinen Gaben, nicht selten und durchdringend, damit die obersten Zentimeter durchgehend feucht bleiben. Wie sich das vom normalen Bewässern unterscheidet und wann Sie zurückstellen, steht auf Nach dem Vertikutieren.

Der Termin und die Bodentemperatur

Nachsaat richtet sich nach der Bodentemperatur, nicht nach dem Kalender. Rasensamen keimen zuverlässig, wenn der Boden dauerhaft über rund 10 °C liegt, wobei einzelne Arten eher mehr brauchen; die Wiesenrispe etwa keimt langsam und ist auf warmen Boden angewiesen.

Das Herbstfenster von Mitte September bis Mitte Oktober ist für die meisten Flächen die verlässlichere Wahl. Der Boden ist von der Sommerwärme noch aufgeladen, während Lufttemperatur und Verdunstung nachlassen, sodass die Fläche gleichmäßiger feucht bleibt und weniger gewässert werden muss. Im Frühjahr ist der Boden oft noch kalt, wenn die Luft schon warm ist, und genau diese Kombination lässt Saat langsam keimen und Unkraut schnell.

Wie Sie die Bodentemperatur tatsächlich messen, statt sie zu schätzen, steht auf Bodentemperatur messen. Für den Herbsttermin insgesamt, einschließlich der Frage, wie spät noch sinnvoll ist, siehe Rasen säen im Herbst.

Zu spät im Jahr gesät ist verlorenes Saatgut: Keimlinge, die vor dem ersten Frost nicht ausreichend bewurzelt sind, überstehen den Winter nicht. Im Zweifel lieber auf das Frühjahr verschieben und die Fläche über den Winter offen lassen, als im November zu säen.

Wann Nachsäen die falsche Antwort ist

Nachsäen schließt Lücken. Es behebt nicht, warum die Lücken entstanden sind, und in drei Fällen ist es deshalb verlorene Mühe, wenn nicht zuerst etwas anderes passiert.

Auf verdichtetem Boden keimt die Saat zwar, aber die Gräser wurzeln flach und bleiben schwach; im nächsten Sommer steht dieselbe Lücke wieder da. Hier gehört die Bodenarbeit vor die Saat, siehe Bodenverdichtung erkennen und Aerifizieren.

Im Dauerschatten hilft die falsche Mischung nichts. Standardsaatgut vergeilt unter Bäumen und an Nordseiten und wird von Moos verdrängt; dort gehört eine schattenverträgliche Mischung hinein, und selbst die hat Grenzen.

Und wo Quecke, Giersch, Schafgarbe oder Brennnessel stehen, ist die Nachsaat nicht das Problem, sondern der vorangegangene Arbeitsgang: Diese vier überdauern in Rhizomen, die die Vertikutiermesser zerschneiden, und jedes Bruchstück treibt neu aus. Eine Nachsaat in einen so vervielfachten Bestand hat keine Chance. Erst mit der Grabegabel bergen, dann säen. Die Artenprofile stehen im Unkraut-Bereich.

Achtung

Nachsaat in einen frisch vertikutierten Bestand aus Quecke oder Giersch ist verlorenes Saatgut: Die Messer haben deren Rhizome zerteilt und die Zahl der Pflanzen erhöht. Erst bergen, dann säen.

Häufige Fragen

Muss ich nach dem Vertikutieren nachsäen?

Ja, und zwar im selben Arbeitsgang. Der Vertikutierer öffnet die Narbe, und wer die Lücke zuerst besetzt, behält sie. Ohne Nachsaat übernimmt der Samenvorrat im Boden, der aus Moos und Unkraut besteht und nur auf Licht wartet. Die Konkurrenz entscheidet sich in den ersten zwei bis drei Wochen.

Wie viel Saatgut brauche ich je Quadratmeter?

Für die Nachsaat in eine vertikutierte Narbe rund 10 bis 15 Gramm je Quadratmeter, deutlich weniger als bei einer Neuanlage. Innerhalb der Spanne entscheidet der Zustand: leicht ausgedünnt am unteren Wert, stark verfilzt gewesen am oberen. Im Zweifel etwas mehr, denn Lücken sind das teurere Problem.

Muss ich die Saat andrücken?

Ja, das ist der am häufigsten übersprungene und zugleich wichtigste Handgriff. Rasensamen ist ein Lichtkeimer und darf nicht eingegraben werden, braucht aber Bodenkontakt: Ein Korn, das lose obenauf liegt, trocknet zwischen zwei Wassergaben aus. Eine Walze oder ein Brett, auf das man tritt, genügt.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Nachsaat?

Wenn die Bodentemperatur dauerhaft über rund 10 °C liegt. Das Herbstfenster von Mitte September bis Mitte Oktober ist meist verlässlicher als das Frühjahr, weil der Boden noch warm ist und die Verdunstung nachlässt, sodass die Fläche gleichmäßiger feucht bleibt.

Wie lange muss ich die Nachsaat feucht halten?

Zwei bis drei Wochen ohne Unterbrechung, und zwar häufiger in kleinen Gaben statt selten und durchdringend. Keimende Saat verträgt kein Austrocknen, auch nicht für einen heißen Nachmittag; einmal ausgetrocknete Keimlinge kommen nicht zurück.

Kann ich jede Rasenmischung zum Nachsäen nehmen?

Besser nicht. Die Nachsaatmischung sollte zum vorhandenen Bestand passen, sonst steht die Fläche in zwei Jahren zweifarbig da. Im Schatten braucht es zusätzlich eine schattenverträgliche Mischung, weil Standardsaatgut dort vergeilt und von Moos verdrängt wird.

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Gärtnermeister & Rasenpflege-Experte

Bernd Sattler schreibt bei Rasensaison über die Praxis: mähen, wässern, düngen, vertikutieren, nachsäen. Er beantwortet die Fragen, die im Garten wirklich auftauchen, und nennt lieber eine Menge in Millimetern als einen Ratschlag ohne Maß.

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