Aktuell 2026 · Trockenheit · 9 Min. Lesezeit

Bewässerungsverbot: Wo das Rasengießen aktuell verboten ist

Trockener Rasen und ein leerer Bachlauf während eines Bewässerungsverbots

Kurz erklärt

Ein bundesweites Bewässerungsverbot gibt es nicht. Die Landkreise entscheiden selbst und erlassen bei Trockenheit eigene Allgemeinverfügungen: aktuell 73 Kreise in 10 Bundesländern, dazu 7 mit Teileinschränkungen. Gießkanne und Eimer bleiben fast überall erlaubt, verboten wird meist nur der Rasensprenger.

Ist mein Landkreis betroffen?

Verbote aktiv: 73 Kreise in 10 Bundesländern

Kreise mit Verbot73
Teilweise7
Bundesländer10

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Betroffene Bundesländer

Wer verbietet was: die drei Instrumente

Ein bundesweites Rasengieß-Gesetz existiert nicht. Was in Ihrem Ort gilt, entscheidet sich über drei verschiedene Rechtsinstrumente, die unterschiedliche Behörden erlassen und die sich an unterschiedliche Wasserquellen richten. Wer den Unterschied kennt, weiß auf einen Blick, ob die eigene Leitung, der Gartenteich oder beides betroffen ist.

Das Wasserentnahmeverbot ist der häufigste Fall und betrifft die Entnahme aus oberirdischen Gewässern, also aus Flüssen, Bächen, Seen und oft auch aus dem Grundwasser. Es wird von der unteren Wasserbehörde des Landkreises per Allgemeinverfügung erlassen, gestützt auf das Wasserhaushaltsgesetz des Bundes und das jeweilige Landeswassergesetz. Es schützt die Gewässer bei Niedrigwasser und lässt die Leitung ausdrücklich unberührt.

Das eigentliche Bewässerungsverbot zielt dagegen auf das Trinkwasser aus dem öffentlichen Netz und untersagt, damit den Garten zu sprengen, meist zu bestimmten Tageszeiten und mit bestimmten Geräten. Es ist seltener, weil die Kommune dafür in ihre eigene Wasserversorgung eingreift. Der dritte Fall, die kommunale Trinkwasser-Einschränkung, geht am weitesten: Reicht das Wasserwerk nicht mehr, kann die Stadt oder der Versorger die Nutzung von Trinkwasser für Garten, Pool und Autowäsche vollständig untersagen. Sie erkennen alle drei am Absender und an der Quelle, um die es geht: untere Wasserbehörde und Gewässer, Kommune und Netz, Versorger und Netz. Wie viel Wasser der Rasen überhaupt braucht und wie Sie sparsam gießen, steht im Technik-Guide Rasen wässern; worauf es bei extremer Hitze biologisch ankommt, im Ratgeber Rasen bei Hitze.

Was ist erlaubt, was ist verboten?

Die Trennlinie verläuft fast überall zwischen Gerät und Quelle, nicht zwischen Rasen und Beet. Untersagt wird typischerweise die Entnahme mit Pumpe, Schlauch oder Rasensprenger aus einem Gewässer; erlaubt bleibt das, was das Wasserrecht als Gemeingebrauch schützt, das Schöpfen mit Handgefäßen. Verbindlich ist jede Zeile erst, wenn sie in der Verfügung Ihres Kreises steht; die folgenden Fälle verlinken auf die Detailseite mit dem genauen Wortlaut.

„Je nach Kreis": ob eine Regel bei Ihnen gilt, steht in der örtlichen Verfügung.

Bußgeld-Rahmen der 16 Bundesländer

Wer trotz Verbot sprengt oder unerlaubt Wasser entnimmt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Der Höchstrahmen von 50.000 und in schweren Fällen 100.000 Euro stammt aus dem bundesweiten Wasserhaushaltsgesetz; die konkrete Verfügung stützt sich zusätzlich auf das Landeswassergesetz des jeweiligen Landes. In der Praxis liegen die verhängten Bußgelder für Ersttäter deutlich niedriger, das Höchstmaß bleibt aber der rechtliche Rahmen und wird bei wiederholten oder gewerblichen Verstößen ausgeschöpft.

Bis ein Bußgeld fällig wird, läuft ein Ordnungswidrigkeitenverfahren: Die Behörde hört den Betroffenen zunächst an, erlässt dann einen Bußgeldbescheid mit einer konkreten Summe, und dagegen ist innerhalb von zwei Wochen Einspruch möglich. Die Beträge in der Tabelle sind also der Deckel, nicht der Regelfall. Wer einmalig und einsichtig gegen ein frisches Verbot verstößt, zahlt meist eine überschaubare Summe; Vorsatz, Wiederholung oder das gewerbliche Abpumpen ganzer Tanks treiben das Verfahren dagegen nach oben, und dann greift auch der obere Rand des Rahmens.

Die folgende Übersicht führt jedes Bundesland auf. Wo wir in einer aktiven Allgemeinverfügung ein konkretes Höchstmaß erfasst haben, steht es hier; wo derzeit keine Verfügung mit beziffertem Rahmen vorliegt, steht „je nach Kommune“ statt einer erfundenen Zahl, denn der Rahmen wird dann erst mit der örtlichen Verfügung gesetzt.

Bußgeld-Rahmen je Bundesland · Stand 13. August 2026
BundeslandBußgeld-RahmenGrundlage der Verfügung
Baden-Württemberg bis 100.000 €Wassergesetz Baden-Württemberg (WG)
Bayern je nach KommuneBayerisches Wassergesetz (BayWG)
Berlin je nach KommuneBerliner Wassergesetz (BWG)
Brandenburg bis 50.000 €Brandenburgisches Wassergesetz (BbgWG)
Bremen je nach KommuneBremisches Wassergesetz (BremWG)
Hamburg je nach KommuneHamburgisches Wassergesetz (HWaG)
Hessen bis 100.000 €Hessisches Wassergesetz (HWG)
Mecklenburg-Vorpommern je nach KommuneLandeswassergesetz M-V (LWaG)
Niedersachsen bis 50.000 €Niedersächsisches Wassergesetz (NWG)
Nordrhein-Westfalen bis 50.000 €Landeswassergesetz NRW (LWG)
Rheinland-Pfalz je nach KommuneLandeswassergesetz Rheinland-Pfalz (LWG)
Saarland je nach KommuneSaarländisches Wassergesetz (SWG)
Sachsen bis 50.000 €Sächsisches Wassergesetz (SächsWG)
Sachsen-Anhalt bis 50.000 €Wassergesetz Sachsen-Anhalt (WG LSA)
Schleswig-Holstein je nach KommuneLandeswassergesetz Schleswig-Holstein (LWG)
Thüringen bis 50.000 €Thüringer Wassergesetz (ThürWG)

Quelle Rahmen: von uns erfasste Allgemeinverfügungen der Landkreise. Quelle Grundlage: Landeswassergesetz des Landes, Ordnungswidrigkeiten-Rahmen nach dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG). Kommunale Trinkwasser-Verstöße werden gesondert geahndet, oft ab rund 1.000 Euro.

Rasensaison ist ein unabhängiges Angebot, keine Behörde, und dies ist keine Rechtsberatung. Verbindlich ist im Zweifel allein die Allgemeinverfügung Ihrer eigenen Kommune.

Bußgelder je Kreis im Überblick →

Legale Alternativen: Brunnen, Zisterne, Regenwasser

Ein Verbot der Wasserentnahme heißt nicht, dass der Rasen vertrocknen muss. Drei Quellen bleiben in den allermeisten Fällen offen, unterscheiden sich aber deutlich in der Rechtslage und in der Frage, ob eine Anmeldung nötig ist.

Regenwasser aus Tonne oder Zisterne ist die sicherste Alternative. Es stammt weder aus dem Netz noch aus einem Gewässer und fällt daher unter kein Entnahmeverbot; für die reine Gartennutzung ist keine Anmeldung erforderlich. Erst wenn Regenwasser ins Haus geführt wird, etwa zur Toilettenspülung, greift die Trinkwasserverordnung mit Anzeigepflicht beim Gesundheitsamt. Details stehen im Explainer Regenwasser nutzen.

Der eigene Brunnen ist die heikelste Alternative, weil er Grundwasser fördert und Grundwasser rechtlich ein Gewässer ist. Ein Wasserentnahmeverbot kann den Brunnen also ausdrücklich erfassen; einzelne Landkreise, etwa im Altenburger Land, untersagen die Brunnenbewässerung des Gartens gezielt. Zudem ist die Grundwasserentnahme je nach Landeswassergesetz anzeige- oder erlaubnispflichtig, auch außerhalb von Trockenphasen. Ob Ihr Brunnen betroffen ist, klärt der Explainer Aus dem eigenen Brunnen gießen und im Zweifel die untere Wasserbehörde.

Grauwasser, also gering belastetes Bade- oder Spülwasser, unterliegt keinem Entnahmeverbot und braucht für die gelegentliche Gartennutzung keine Anmeldung. Hygienisch ist es aber kein Selbstläufer: Salze und Tenside aus Reinigungsmitteln schaden dem Boden, und für die dauerhafte oder technische Nutzung gelten Auflagen. Für den Rasen ist es eine Notlösung, kein Ersatz für Regenwasser.

So lesen Sie Ihre Allgemeinverfügung

Verbindlich ist immer der Wortlaut der Verfügung Ihres Landkreises oder Ihrer Stadt, nicht die Pressemeldung darüber. Sie finden ihn im Amtsblatt und auf der Website des Kreises; suchen Sie nach dem Kreisnamen zusammen mit Allgemeinverfügung Wasserentnahme, oder nutzen Sie die Kreis-Suche oben. Fünf Punkte im Text entscheiden darüber, was für Sie gilt.

Der Geltungsbereich steht meist ganz oben und nennt entweder das gesamte Kreisgebiet oder einzelne Gemarkungen und Gewässer. Nur wenn Ihre Adresse darin liegt, sind Sie betroffen. Das Zeitfenster ist der häufigste Stolperstein: Viele Verfügungen verbieten die Beregnung nur tagsüber, etwa zwischen 10 und 19 Uhr, und lassen sie in den kühlen Randstunden zu; andere gelten rund um die Uhr. Die Ausnahmen regeln, was trotzdem erlaubt bleibt, typischerweise das Gießen mit Handgefäßen, die Bewässerung frisch angelegter Flächen oder erwerbsgärtnerische Nutzung.

Die Befristung nennt entweder ein festes Enddatum, oft Ende September oder Mitte Oktober, oder die Formel „bis auf Widerruf“; Letztere endet erst, wenn die Behörde die Lage neu bewertet. Die Rechtsgrundlage und Bußgeldandrohung schließlich stehen am Ende und verweisen auf das Wasserhaushaltsgesetz und das Landeswassergesetz. Prüfen Sie zuletzt das Datum der Verfügung: Bei anhaltender Trockenheit werden Verfügungen verlängert, bei ausreichend Regen vorzeitig aufgehoben, und ältere Fassungen gelten dann nicht mehr.

Häufige Fragen zum Bewässerungsverbot

Wer kontrolliert ein Bewässerungsverbot?

Zuständig ist der kommunale Vollzugsdienst oder das Ordnungsamt, nicht ein eigener Wasser-Kontrolldienst. Kontrolliert wird stichprobenartig und häufig auf Hinweise aus der Nachbarschaft hin. Ein laufender Rasensprenger am hellen Nachmittag fällt dabei am ehesten auf.

Zählt ein am Gartenschlauch gefüllter Eimer noch als Handgefäß?

Das Gefäß bleibt ein Handgefäß, sobald Sie es tragen; erlaubt ist das Schöpfen mit Muskelkraft, untersagt die dauerhafte Entnahme mit Schlauch oder Pumpe aus dem Gewässer. Bei einem reinen Wasserentnahmeverbot ist Leitungswasser ohnehin frei; erst eine Trinkwasser-Einschränkung kann auch den Hahn erfassen.

Gilt das Verbot auch nachts?

Das hängt vom Zeitfenster in der Verfügung ab. Viele Kreise verbieten nur die Beregnung tagsüber und lassen die kühlen Randstunden frei, andere Verfügungen gelten rund um die Uhr. Maßgeblich ist allein der Wortlaut, nicht die verbreitete Annahme, nachts sei immer erlaubt.

Werde ich über ein Verbot persönlich informiert?

Nein. Eine Allgemeinverfügung wird ortsüblich bekannt gemacht, im Amtsblatt und auf der Website des Kreises; eine persönliche Post gibt es nicht. Sich zu informieren ist Sache der Bürgerinnen und Bürger, und Unkenntnis schützt vor dem Bußgeld nicht.

Kann ich gegen eine Allgemeinverfügung vorgehen?

Eine Allgemeinverfügung ist ein Verwaltungsakt und trägt eine Rechtsbehelfsbelehrung; gegen sie sind grundsätzlich Widerspruch oder Klage möglich. Bei Gefahr im Verzug ist die aufschiebende Wirkung aber oft ausgeschlossen, das Verbot gilt also zunächst weiter. Das ist keine Rechtsberatung; im Einzelfall hilft anwaltlicher Rat.

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Redakteurin für Wasserrecht & Kommunales

Annika Reuter betreut bei Rasensaison alles, was mit Wasserrecht zu tun hat. Sie verfolgt, welche Landkreise und kreisfreien Städte die Wasserentnahme einschränken, und übersetzt die Allgemeinverfügungen in Sätze, die auch ohne juristische Vorbildung tragen.

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Hinweis: Die Regeln werden je Landkreis festgelegt und ändern sich schnell. Die Angaben hier sind ein allgemeiner Überblick nach bestem Wissen (Stand 13. August 2026) und keine Rechtsberatung. Verbindlich ist ausschließlich die aktuelle Allgemeinverfügung Ihrer örtlichen Behörde.